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So geht selbständig.

Wenn von Menschen gesprochen wird, die gerade erst ein Unternehmen gegründet haben, werden verschiedene Bezeichnungen verwendet: „Neugründer“, „Jungunternehmer“, „Startup“ oder „Neue Selbständige“.  Ein Missverständnis.

Berufstätig ohne Interessensvertretung

Das „Neue“ in „Neue Selbständige“ bezieht sich nicht auf den Zeitfaktor, sondern auf eine Gruppe von Tätigkeiten, die nicht der Gewerbeordnung unterliegen. Dazu gehören Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Vortragende, selbständige Krankenpfleger, Hebammen oder Wissenschafter, sowie selbständige Psychologen und Psycho- oder Physiotherapeuten. Auch wer auf Werksvertragsbasis tätig und nicht Mitglied bei der Wirtschaftskammer ist, gehört zu den „Neuen Selbständigen“.

  • Weil „Neue Selbständige“ keinen Gewerbeschein besitzen, sind sie auch keine Mitglieder der Wirtschaftskammer. Allerdings müssen Sie sich bei der SVA versichern.
  • Während Unselbständigen die Arbeiterkammer und Selbständigen mit Gewerbeschein die Wirtschaftskammer zur Seite steht, haben „Neue Selbständige“ keine Interessenvertretung, an die sie sich wenden können. Dafür zahlen sie auch keine Kammerumlage.

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Richtig versichert als Neuer Selbständiger

„Neue Selbständige“ sind für die Zahlung ihrer Versicherungsbeiträge an die SVA selbst verantwortlich.

  • Versicherungspflichtig ist, wer ein Bruttoeinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze, also von mehr als rund 5.100 Euro (Wert 2017) pro Jahr hat.
    ACHTUNG: Bruttoeinkommen bedeutet: alle Einnahmen minus der betriebsbedingten Ausgaben, SVA-Beiträge dürfen aber NICHT als Ausgabe abgezogen werden.
    Ob Sie nebenbei auch in einem Angestelltenverhältnis tätig sind, ist dabei unerheblich. Als Grundlage für die SVA gilt Ihr Einkommen aus selbständiger Tätigkeit – also alles, wofür Sie Honorarnoten geschrieben haben.
  • Meldepflicht: Wenn Sie der SVA Ihre Versicherungspflicht nicht melden und Ihr Einkommensteuerbescheid ein Bruttoeinkommen über der Geringfügigkeitsgrenze von rund 5.100 Euro (Stand 2017) ergibt, müssen Sie die Versicherungsbeiträge nachzahlen und zusätzlich einen Zuschlag von 9,3 Prozent! Verhindern lässt sich das, in dem Sie der SVA innerhalb von acht Wochen, nach dem der Einkommensteuerbescheid ausgestellt wurde, die Überschreitung melden.
  • Ihr Ermessen: Wenn Sie bereits zu Beginn Ihrer Tätigkeit davon ausgehen, dass Sie die Versicherungsgrenze überschreiten werden, können Sie das der SVA melden und zahlen ab dem Moment Beiträge zur Pflichversicherung. Umgekehrt können Sie aber auch jederzeit melden, dass Sie die Versicherungsgrenze nicht erreichen und aus der Pflichtversicherung aussteigen.
  • Versicherungssätze: Für „Neue Selbständige“, die Pflichtversicherungsbeiträge zahlen, gelten dieselben Versicherungssätze, wie für alle anderen Versicherten:
    – 7,65% Beitragssatz für die Krankenversicherung,
    – 18,50% Betragssatz für die Pensionsversicherung
    – 1,53% für die Selbständigenvorsorge
    In Summe also ca. 28 Prozent. 
    Dazu kommen noch 9,33 Euro monatlich für die Unfallversicherung.

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Steuerpflicht für „Neue Selbständige“

„Neue Selbständige“ sind einkommensteuerpflichtig, müssen also jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben.

  • Tun Sie dies schriftlich, ist Ihr Abgabetermin der 30. April des Folgejahres.
  • Machen Sie Ihre Erklärung online, haben Sie bis 30. Juni des Folgejahres Zeit.
  • Wenn Sie durch einen Steuerberater vertreten werden, kann sich die Frist für die Abgabe noch einmal wesentlich verlängern.

Sobald Sie mit Ihrer selbständigen Tätigkeit beginnen, müssen Sie beim Finanzamt eine Steuernummer beantragen. Zuständig ist immer das jeweilige Wohnsitzfinanzamt.

Ob Sie Umsatzsteuer zahlen müssen oder nicht, richtet sich nach Ihrer Einkommenshöhe:

  • Wenn Sie unter 30.000 Euro Jahresumsatz haben, sind Sie durch die sogenannte „Kleinunternehmer-Regelung“  von der Umsatzsteuer befreit. Das sollten Sie auch auf Ihren Honorarnoten so vermerken.
  • Sie können allerdings jederzeit freiwillig Umsatzsteuer abführen. Dann erhalten Sie vom Finanzamt eine UID-Nummer und müssen dann für die nächsten fünf Jahre Umsatzsteuer zahlen, können aber auch Vorsteuer abziehen.

Neue Selbständige vs. Freie Dienstnehmer

Nicht zu verwechseln sind die „Neuen Selbständigen“ mit den „Freien Dienstnehmern“, die im österreichischen System ebenfalls eine Sonderstellung einnehmen.

„Freie Dienstnehmer“ werden bei der Gebietskrankenkasse versichert und müssen sich um Versicherungszahlungen nicht kümmern. Sie erhalten auch einen Dienstzettel oder einen freien Dienstvertrag. Allerdings sind sie einkommensteuerpflichtig und müssen ebenfalls am Jahresende eine Steuererklärung abgeben.

  • Ein wesentlicher Unterschied ist auch, dass „Freie Dienstnehmer“ in der Regel ihre eigene Arbeitskraft einsetzen, während „Neue Selbständige“ auch andere für sich arbeiten lassen können.
  • „Freie Dienstnehmer“ bekommen Arbeitsmittel vom Auftraggeber zur Verfügung gestellt, während „Neue Selbständige“ ihre eigenen Betriebsmittel verwenden, also ihr eigenes Büro besitzen und nicht in den Räumlichkeiten des Auftraggebers tätig sind.

Weiterlesen: Ein paar Jobs auf Honorarbasis: Brauche ich dafür einen Gewerbeschein?

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