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So geht selbständig.

Die Filmproduzentin Magdalena Brix und ihr Partner, der Schauspieler und Drehbuchautor Werner Brix, haben beschlossen, mit guten Nachrichten bessere Stimmung zu machen. Und entwickelten mit ihrer Firma Brix Productions ein Nachrichtenformat, das den Scheinwerfer auf die erfreulichen Seiten der Welt richtet. Sie erzählen Port41 nicht nur, worum es in ihrem Projekt geht, sondern auch, wie sie mit Hilfe eines Crowdfundings ihren Traum realisiert haben.

Zu viel schlechte Nachrichten

Vor ungefähr vier Jahren ist uns erstmals bewusst geworden, wie negativ die täglichen Nachrichten und Schlagzeilen klingen – als würde auf der Welt nur Schlimmes passieren. Aber das entspricht natürlich nicht der Realität. So sind wir auf die Idee gekommen, dem etwas entgegenzusetzen, ein Gleichgewicht herzustellen und über die positiven Dinge zu berichten, die neben den vielen schlechten Nachrichten untergehen. Und weil wir eine Filmproduktionsfirma haben, dachten wir natürlich in bewegten Bildern.

Unser Ansatz: Wir wollten sperrige Themen so aufbereiten, dass man sie auch ohne großen Bildungshintergrund versteht – und gleichzeitig über die positiven Entwicklungen auf dem jeweiligen Gebiet berichten, die Anlass zu Hoffnung geben.

„Good News“, die Hoffnung machen

Das Format sieht jetzt so aus, dass ein Vater und seine Tochter die Welt bereisen und Beispiele für Lösungen solcher Probleme vorstellen. Wir besuchen NGOs und Sozialprojekte, aber auch Hightech-Unternehmen, die Lösungen entwickeln, die die Menschheit weiterbringen. Wenn der Zuseher um neun Uhr Abends den Fernseher abschaltet, soll er ein gutes Gefühl haben. Er soll erfahren haben, dass es sehr wohl auch erfreuliche Entwicklungen gibt, dass auf der ganzen Welt Menschen an erfolgversprechenden Lösungen für unsere Probleme arbeiten.

Wir haben dem Projekt den Arbeitstitel „Good News“ gegeben. Unser Ziel ist, einen der namhaften TV-Sender als Co-Produzenten zu gewinnen. Um das zu erreichen, ist es vorteilhaft einen so genannten „Piloten“ drehen. 

Etwas zum Herzeigen

Für den Piloten haben wir ein Thema gewählt, das wir schon gut kennen, weil wir es seit Jahren unterstützen, nämlich die Village Reconstruction Organisation in Indien. Die bauen nicht nur Dörfer, die den Monsun überstehen, sondern betreiben auch Schulen. Werner war schon einmal mit einem Kameramann dort, um den Start der Bauarbeiten zu filmen. Für „Good News“ wollten wir über die Fortschritte berichten, die Menschen beim Einziehen filmen und vor allem etwas anderes zeigen, als die ewig gleichen Katastrophen aus dieser Weltgegend.

Und wir wollten auch testen, wie Werners Tochter vor der Kamera rüberkommt. Sie hat sich im Casting-Prozess quasi aufgedrängt und muss sich nun also selbst spielen. Gemäß ihrer Rolle muss sie allerdings eine schnöselige Tussi darstellen, die von Werner, ihrem alternativen Öko-Papi, auf diverse positive Aspekte hingewiesen wird.

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Qualität hat ihren Preis

Um unsere Botschaft glaubhaft zu transportieren und Medienprofis zu überzeugen, musste der Pilot natürlich professionell produziert werden. Nicht nur vor Ort, sondern auch in der Post Production. Das bedeutet: Auch der Schnitt, die Vertonung und die Stimmen der Sprecher müssen perfekt sein – und das ist nun mal ein bestimmter Aufwand.

Die Konzeption und die Hälfte der Dreharbeiten konnten wir aus eigener Tasche bestreiten, aber um die gesamte Produktion fertigzustellen, brauchten wir doch mehr Kapital. Magdalena hat sich mit dem Thema Crowdfunding ausgekannt und es als schnelle und unbürokratische Methode empfohlen, die noch fehlenden 15.000 Euro zu sammeln.

Im Gegensatz zum Crowdinvesting, bei dem es darum geht, Investoren zu finden, ist Crowfunding viel einfacher: Es geht darum, Menschen von einer Idee zu überzeugen, so dass sie bereit sind, das Projekt im Vorfeld zu unterstützen. 

Wahl der Crowdfunding-Plattform

Wir haben bewusst eine deutschsprachige Plattform ausgewählt, weil die Menschen, die wir ansprechen wollten, in erster Linie aus dem deutschsprachigen Raum stammen. Als wir 2016 starteten, gab es nur zwei größere deutschsprachige Plattformen: startnext.com und wemakeit.com. Wir haben uns für wemakeit entschieden, weil sie Kooperationen mit der BankAustria/Unicredit laufen hatten. Die Bank hat angeboten, ausgewählte Projekte mit einem Drittel der zu erreichenden Summe zu finanzieren. Außerdem hat uns die Plattform beim Aufsetzen des Projekts auf der Website mit ihrem Know-how unterstützt: Das ist wichtiger, als man denkt, weil man ja am Anfang wenig Ahnung hat, wie Crowdfunding funktioniert.

Mit welchen Beiträgen ist zu rechnen?

Besonders wichtig war, sich die Höhe der Beträge zu überlegen, die jemand spenden könnte und sich kleine „Goodies“ als Belohnung auszudenken. Wenn jemand eine CD produziert, ist es ja einfach: Man beteiligt sich am Funding und bekommt nachher eine CD – das ist die klassische pre-sale Crowdfundung-Variante. In unserem Fall war es ein bisschen komplexer: Wir hatten eine eher abstrakte, gemeinnützige Idee: Wir hatten in vielen Gesprächen festgestellt, dass das Bedürfnis nach guten Nachrichten da ist und wollten dieses Bedürfnis stillen, in dem wir dieses Format entwickelten.

Wir haben uns also Geschenke für Spenden ab 10 bis 1.000 Euro überlegt: von Good-News Buttons und signierten Fotos vom Set über die Nennung im Abspann des Piloten bis hin zu einem Meet and Greet während der Dreharbeiten. Es ging eher um ein symbolisches Dankeschön, als um eine gleichwertige Gegenleistung: Die Menschen wollen einfach Gutes tun und das auch sehen und herzeigen können. Wichtig ist, bei den Goodies genau zu überlegen, wie viel man dafür ausgeben will und kann, sonst fehlt das Geld dann für das eigentliche Projekt.

Crowdfunding als Marketing-Tool

Wir haben rasch festgestellt, dass das Crowdfunding auch ein sehr gutes Marketing-Tool ist. Es hat uns geholfen, schon in einer frühen Phase Aufmerksamkeit, Öffentlichkeit und Multiplikatoren zu generieren. Wenn man es richtig anstellt, schafft man sich schnell eine Fanbase, die sich in am Gelingen des Projekts beteiligen kann. Und sei es nur, um Rückmeldungen zu geben, ob das Projekt so, wie wir es uns vorstellen, überhaupt jemanden interessiert – oder ob wir da und dort noch justieren müssen.

Voraussetzung ist allerdings eine gute Vorbereitung. Man muss sich schon früh überlegen, wie viele Kontakte man hat und über welche Medien man die ansprechen kann. Also etwa über E-Mail oder Facebook. Gemeinsam sind wir auf etwa 4.000 E-Mail-Adressen und rund 8.000 Facebook-Kontakte gekommen. Das ist natürlich recht viel und schon eine  gute Voraussetzung

Klares Kommunikationskonzept

Kurz vor Beginn der Kampagne haben wir eine Facebook-Seite für das Projekt aufgesetzt, wo wir die Kampagne angeteasert haben. Knapp vor dem Start haben wir dann auch E-Mails an alle unsere Kontakte gesendet – ein allgemeines an alle und dann noch ein sehr persönliches an unsere engsten Freunde und Mitstreiter. Es ist nämlich sehr wichtig, am Anfang gleich ein paar substantielle Beiträge zu bekommen: Das sehen die anderen, und es erzeugt dann einen positiven Sog.

Im Laufe der Kampagne haben wir gelernt, dass man permanent kommunizieren und über den Fortschritt berichten muss. Am besten jeden dritten bis vierten Tag. Man darf die Adressaten nicht überfordern – aber sich auch nicht genieren, um etwas zu bitten. Ganz wichtig: Man darf sich nicht als Bittsteller fühlen, es geht vielmehr darum, Menschen für ein Projekt so weit zu begeistern, dass sie gerne einen Beitrag dazu leisten. Letztendlich haben wir innerhalb von 25 Tagen den nötigen Betrag gesammelt.

Keine Angst vor „Ideenklau“

Wir hatten auch gehört, dass sich einige Gründer von einem Crowdfunding abschrecken lassen, weil sie befürchten, jemand anderes könnte ihre Idee übernehmen. Wir haben sehr viel über unser Projekt gesprochen und die Erfahrung gemacht, dass uns die vielen Rückmeldungen geholfen haben, unsere Idee noch zu verbessern.

Zwei Wochen vor Start des Crowdfunding waren wir mit unserem Projekt auch bei der MIPCOM, der größten Fernsehmesse Europas in Cannes, wir sind mit „Good News“ ziemlich aufgefallen und haben das Konzept dort auch dem ORF vorgestellt. Was den nicht zu unterschätzenden Vorteil mit sich brachte, dass wir quasi einen „Zeitstempel“ auf unserer Idee hatten.

Und es war natürlich kein Nachteil, dass das Funding dann so gut gestartet ist. Das macht ein Projekt für potentielle Co-Finanziers oder Kunden gleich viel interessanter, weil sie das Interesse der Zielgruppe sehen. Dank dem Geld aus der Crowd konnten wir auch viel entspannter in Verhandlungen gehen.

Unterstützung von unterschiedlichster Seite

Interessant war zu sehen, wer uns unterstützt hat und wer nicht, beziehungsweise mit welchen Beträgen. Jeder unserer Bekannten hat ja die Mails bekommen. Wir wussten, welche von ihnen durchaus die Mittel hätten, uns zu unterstützen, und haben uns auch im Vorfeld darüber Gedanken gemacht. Ein paar unserer engen Freunde haben wir danach schon gefragt, ob ihnen nicht bewusst war, wie sehr uns die Sache am Herzen lag und liegt. Aber man muss da wohl realistisch bleiben und über den Dingen stehen.

Dafür haben uns Menschen unterstützt, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Völlig Fremde, die durchaus auch mit kleinen Beträgen zum Gelingen beigetragen haben, oder Kollegen, die uns gar nicht so nahe stehen, die ohne groß Aufhebens zu machen durchaus namhafte Summen eingezahlt haben.

Beim Crowdfunding ist es so, dass der angepeilte Betrag auch erreicht werden muss. Andernfalls muss man die bereits einbezahlten Beträge wieder zurückzahlen. Das hat uns in einer Phase, als das Funding nicht so gut lief, ganz schön ins Schwitzen gebracht. 

Ständige Kommunikation

In dieser Zeit hat das Telefon dauernd geläutet. Menschen haben gefragt, wie sie sonst noch helfen können und es gibt erstaunlich viele, die dem elektronischen Zahlungsverkehr ratlos gegenüberstehen und das Geld am liebsten persönlich vorbeigebracht hätten. Oder – weil wemakeit in der Schweiz registriert ist und die Zahlung daher über die Schweiz läuft – sich besorgt erkundigt haben, ob das eh alles mit rechten Dingen zugeht.

Was wir weitergeben können: Man kann nicht genug informieren – und nicht früh genug. Idealerweise beginnt man mit der Informationskampagne schon im vorhinein, kündigt an: Da kommt etwas! So kann man die Neugier wecken und verhindert, dass mit dem ersten gelöschten Mail die allerwichtigste Information verloren geht. Wir würden heute schon drei Monate vorher eine erste Informationsrunde starten. 

Die Idee in die Medien bringen

Was wir auch erfahren haben: Wer einmal dabei ist, spricht gerne darüber und propagiert das Projekt – im Idealfall, bis auch Journalisten darauf aufmerksam werden. Das ist wichtig. In unserem Fall wurde die mediale Aufmerksamkeit leider zu spät geweckt. Wenn Journalisten fragen, wohin sie verlinken sollen und das Funding ist schon ausgelaufen, bringt das leider gar nichts mehr. Gerade Magazine, die nur einmal im Monat erscheinen brauchen ordentlich Vorlaufzeit.

Résumé: Realistisch bleiben

Last but not least: Wenn man so ein Projekt startet, muss man wissen, welche Zielgruppe man ansprechen will, wo und wie groß sie ist, und welche Summe man tatsächlich einsammeln kann. Es hat keinen Sinn, wenn man zu hoch zielt und dann scheitert. Besser, man peilt ein realistischeres Ziel an, finanziert vielleicht nur ein Teilprojekt, und schießt bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt eine zweite Kampagne nach, wieder mit einem klar definierten Ziel.

Diese Option haben wir uns auch offen gelassen – wobei es momentan so aussieht, als wären wir der Realisierung sehr nahe und bräuchten das nicht. Schließlich ist der Zeitaufwand hoch, wenn man erfolgreich sein will – etwa drei Monate sind das Minimum. Wir wollen diese Zeit lieber in „Good News“ stecken, um unserm eigentlichen Ziel näher zu kommen: den Menschen Mut machen!

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