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So geht selbständig.

Ihrer kreativen Neigung trug Kristina Waxhofer zunächst Rechnung, indem sie Architektur studierte und nach drei Jahren praktischer Erfahrung in Los Angeles in Wien ihr eigenes Büro gründete. Doch dann holte sie ihre wahre Leidenschaft wieder ein, das Schreiben. Heute führt sie neben ihrem Architekturbüro den wortweit-Verlag, in dem sie unter dem Pseudonym Kristin Loras auch ihre eigenen Bücher verlegt.

Auslandserfahrung

Ich habe immer schon gerne gezeichnet und wollte auch beruflich etwas Künstlerisches machen, also habe ich Architektur studiert. Danach bin ich für drei Jahre nach Los Angeles und habe dort jede Menge Erfahrung gesammelt. Zurück in Wien habe ich dann mein eigenes Architekturbüro eröffnet – und konnte auch gleich einige große Projekte umsetzen: öffentliche Aufträge wie die Fußgängerzone Wiener Neustadt, den Hauptplatz in Stegersbach und das Freibad Ritzing, aber auch private Villen und Renovierungen. 

Literarischer Freiraum

Das war alles sehr schön, aber von Vorschriften und Bauordnungen stark eingeschränkt. Ich hatte das Gefühl, dass sich meine Kreativität nicht wirklich entfalten kann. In dieser Phase habe ich mich an meine Jugend erinnert, in der ich immer wieder Gedichte geschrieben habe, Dinge die einfach raus mussten. Und plötzlich, 2011, war das Schreiben wieder da. In der Zeit war architektonisch nicht so viel los, ich bin aber ein Mensch, der immer zu tun haben muss, also habe ich einfach losgeschrieben. Innerhalb von zwei Monaten war ich bei 500 Seiten.

Vergebliche Verlagssuche

Der Text enthielt Autobiographisches aus meiner Jugend, aber auch fantastische Elemente. Die Geschichte drehte sich um einen nahen Freund, dem ich den Text dann zu lesen gab – und er war natürlich begeistert. Nicht nur, weil er der Hauptdarsteller einer nie stattgefundenen Liebesgeschichte war. Auch etliche andere Freunde haben mich bestärkt, das Buch zu veröffentlichen, doch keiner der Verlage, die ich angeschrieben habe, wollte das Risiko mit einer unbekannten Autorin eingehen.

Literarische Nachtarbeit

In dieser Phase besteht wohl die Gefahr, aufzugeben. Ich hingegen habe gleich ein zweites Buch geschrieben, geradezu zwanghaft, meist in der Nacht. Meinen beiden Söhnen hat das nicht gefallen. Erstens ging es immer nur um mein Leben, zweitens hatte ich wenig Zeit für sie, obwohl ich ihnen den Tag gewidmet habe und die Nacht der Arbeit. Also haben sie mir ein Ultimatum gestellt: Wenn du weiter schreiben möchtest, dann muss es ein Buch sein, in dem wir zwei vorkommen. 

Schreiben für die Söhne

Ich habe mich d'rauf eingelassen und schnell festgestellt, dass mir das durchaus liegt. Es ging mir genau so schnell von der Hand, ich musste nur aufpassen, nichts von der dunklen Mystik zuzulassen, die in meinen ersten beiden Büchern immer wieder auftaucht. Für mein erstes Kinderbuch habe ich meine beiden Jungs im Burgenland in einen Wald gehen lassen, wo sie phantastische Abenteuer erleben. Bei Lesungen haben mich dann immer wieder Zuhörer gefragt, ob es denn da wirklich Zauberer gäbe. Offenbar habe ich also den Nerv der Kinder getroffen.

Unterstützung aus der Branche

Vor zwei Jahren gab es dann bei ATV in Kooperation mit der Wirtschaftskammer eine Aktion, in deren Rahmen im „Stadtmagazin“ über kleine Wiener Verlage berichtet wurde – das war natürlich eine tolle Werbung für mich. Ich habe also Georg Glöckler, dem Obmann der Fachgruppe Buchwirtschaft der Wirtschaftskammer und Gründer des größten Österreichischen Kinderbuchverlages, geschrieben, wie sehr mich diese Chance gefreut hat. Er hat mich prompt angerufen und dann auch besucht. Er hat mir Mut zugesprochen – aber er sagte mir auch, dass es gemeinhin sieben Jahre ab der Gründung dauere, bis ein Verlag wirklich gut laufe.

Demnach bin ich also etwa auf halbem Weg. Das Wachstum stimmt, wir haben derzeit elf Autoren, der Schwerunkt liegt auf Kinderbüchern. Vor drei Jahren habe ich einen Schweizer Autor unter Vertrag genommen, der Fantasy für Teenager schreibt.

Suche nach einer Druckerei

Nach etlichen Versuchen, eine Druckerei in Österreich zu finden, bin ich schließlich bei der Druckerei CPI in Norddeutschland gelandet. Die machen sehr robuste Hardcovers – nicht unwichtig bei Kinderbüchern(!) – und bieten generell gute Qualität zu günstigen Preisen. Zum Beispiel die sogenannte „UV-Spotlackierung“, bei der nur ein Teil der Cover-Illustration glänzend lackiert wird. Auf mattem Papier ist das ein Detail, das ins Auge sticht und hilft, im Regal aufzufallen.

Um alles weitere kümmert sich die Auslieferung: Für Österreich und Südtirol die Ennstaler GesmbH in Steyer, für alle übrigen Länder das Südost Service GmbH in der Nähe von Passau. Die haben – wie auch viele deutsche Buchhändler – auch Lager bei Amazon und verkaufen auch über diese Plattform. Ich habe mir irgendwann ebenfalls eines organisiert, aber außer Kosten habe ich nichts davon gehabt.

Lesungen und Inserate

Werbung mache ich hauptsächlich über meine Lesungen, das geht dann Mund-zu-Mund weiter, dazu schalte ich Inserate in Kinderzeitschriften. Und natürlich bin ich auch auf Facebook aktiv. Auf Buchmessen versuche ich am Stand der Kinderbuchverlage mit Lesungen meiner Autoren präsent zu sein, das wird dankenswerter Weise vom Hauptverband unterstützt.

Selbst komme ich momentan nicht zum Schreiben, aber ich liebe es, Lesungen abzuhalten, und davon gibt es genug. Ich habe in meinem Haus einen Lesesalon eingerichtet, ich bräuchte also meine vier Wände gar nicht mehr zu verlassen: Vom Architektur-Büro über den Verlag bis zum Bücherschreiben erledige ich alles unter einem Dach. Das ginge gar nicht anders, schließlich sollen meine beiden Buben auch noch auf ihre Rechnung kommen. 

Kostendeckend ab 700 Büchern

Finanziell beginnt die Rechnung auch schön langsam aufzugehen, der Verlag hat bis jetzt etwa 3.300 Bücher verkauft, ab 700 verkauften Exemplaren im Jahr sind die Kosten drinnen. Ich finanziere die Produktion mit ungefähr 10.000 Euro jährlich aus meiner Tätigkeit im Architekturbüro vor, im Lauf des Jahres zahle ich mir die Summe als Verlagsleiterin wieder zurück. Das bedeutet: Ohne die Architektur hätte ich den Verlag nicht hochziehen können, aber spätestens 2019 rechne ich mit einem ausgeglichenen Jahresabschluss.

Das wären dann genau die sieben Jahre, die mir prophezeit wurden. Die dauert's halt offenbar tatsächlich. Man braucht Geduld und Mut, um einen Verlag zu starten. Und eine möglichst genaue Kostenrechnung. Und auch wenn es immer wieder Titel gibt, die nicht so gut gehen, kommt dann einer der sich bezahlt macht. Mit ein bisschen Durchhaltevermögen schafft man es schon! 

Klein und familiär

Letztlich ist der Verlag aber vor allem eine Herzensangelegenheit, deswegen bin ich auch sehr froh, dass ich den Lesesalon habe und mit eigenen Autoren bespielen und manchmal selber als Kristin Loras – das ist mein Autorinnenname – selber lesen kann. Wir sind zu einer Art Familie geworden, zu der auch der Buchsatz und das Lektorat gehören. Dementsprechend angenehm und freundschaftlich ist der Umgang miteinander, weil so unpersönlich, wie ich es in den großen Verlagen kennengelernt habe, wollte ich meinen Verlag nicht werden lassen. Und das ist mir auch gelungen!

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