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So geht selbständig.

Die Kostümbildnerin Monika Clodi war das ewige Ein- und Ausräumen am Filmset leid – und entwickelte darauf hin ihren eigenen Kostümwagen. Der war rasch auch bei ihren Kollegen begehrt, und die Vermietung erwies sich als so gutes Business, dass Monika Clodi ihre Flotte auf immerhin schon fünf Fahrzeuge erweiterte, die nun auf Sets zwischen Südtirol und Norddeutschland zum Einsatz kommen.

Start in der Modeschule

Ich habe die Modeschule Michelbeuern in Wien absolviert und danach als Kostümbildnerin hauptsächlich Spielfilme und Fernsehserien betreut. Bei einem schlechten Heimatfilm in herrlicher Kulisse, am Traunsee, habe ich 1995 Florian, den Vater meiner drei Kinder kennen gelernt. Er hat „beim Bau“ gearbeitet, das heißt im Filmjargon Bühnenbild und Set-Dekorationen gebaut.

Ein knappes Jahr später kam unsere erste Tochter zur Welt. Wir wohnten damals in einer kleinen Schmiede neben dem Bauernhof von Florians Familie, nahe dem Traunsee. Als das nächste Kind unterwegs war, konnten wir in den Hof übersiedeln. Der war höchst renovierungsbedürftig und Florian hat sich an die Arbeit gemacht, während ich weiter beim Film arbeitete.

Heimatlicher Hof am Traunsee

In dieser Zeit sammelten sich auch immer mehr Tiere am Hof an: Beim Dreh zum Film „Der Henker“ adoptierten wir eine Ente, aus dem Zillertal haben wir unseren ersten Haflinger mitgenommen, einer unserer ersten Hunde spielte eine Rolle als Streuner auf einem mittelalterlichen Marktplatz in Ungarn. Als unser jüngster Sohn Pino auf die Welt kam, hat sich Florian für Familie, Hof und Tierzucht entschieden. So konnte ich problemlos weiter meinen Job beim Film ausüben.

Die lästigen Seiten des Jobs

Ich liebe diesen Job, allerdings gibt es da eine Sache, die mir immer ausgesprochen lästig war: Wenn man den Auftrag bekommt, einen Film auszustatten, muss man eine Unzahl von Kostümen organisieren und zu den verschiedenen Sets transportieren. Das heißt: einpacken, in die jeweilige Garderobe schleppen, anderntags zum nächsten Set und so weiter. Nur bei großen Produktionen wird manchmal ein Garderobenwagen angemietet. In unserem Fall musste man den aber aus Hamburg holen und wieder zurückbringen, und das ist nicht immer drin. 2015 habe ich daher beschlossen, mir selbst so ein Fahrzeug zu organisieren.

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Lösung nach eigenen Vorstellungen

Wir haben also einen gebrauchten Kastenwagen gekauft, und Florian hat die Inneneinrichtung nach meinen Vorstellungen gezimmert. Die technischen Installationen haben Spezialisten aus dem Freundeskreis erledigt.

So konnten wir auch gleich einige Probleme aus der Welt schaffen, die mir bei den angemieteten Fahrzeugen unangenehm aufgefallen sind: Oft sind zum Beispiel die Garderobenstangen zu hoch montiert. Das ist so, weil die meisten Handwerker Männer sind und damit meist größer als die weiblichen Kostümbildnerinnen und -assistentinnen. Florian und ich haben uns bei den Details beraten, und unser erster Kostümwagen war schon ziemlich ideal.

Begeisterung in der Branche

Das haben unsere Kollegen offenbar auch so gesehen. Noch bevor ich den Wagen selbst wie geplant für meinen Job nutzen konnte, war er auch schon vermietet: Ein befreundeter Produzent hatte davon erfahren und sofort reserviert. Wenn man nämlich ein eigenes Auto nur für die Garderobe hat, erspart man sich einen zweiten Transporter plus den dazu gehörigen Chauffeur sowie gute zwei Stunden Arbeit täglich, weil das Ein- und Ausräumen der Kostüme entfällt. Der Kostümwagen ist auch mit Waschmaschine, Trockner und Bügelbrett ausgestattet, so dass man am Set nur noch die nötigen Anschlüsse finden muss und uneingeschränkt arbeiten kann.

Angebot und Nachfrage

Also bauten wir gleich darauf einen zweiten und kurz danach einen dritten Wagen. Den konnte ich dann endlich selbst nutzen. Ein lieber Freund und Seriendarsteller fand den auch ganz toll und nutzte ihn am Set regelmäßig, um sich ungestört auf eine Siesta zurückzuziehen.

Und das hat uns auf die Idee für unser nächstes Projekt gebracht: Wir haben einen Aufenthalts- und Arbeitsraumwagen mit zwei abtrennbaren Bereichen entwickelt. Menschen beim Dreh sind sich nicht immer so sympathisch, wie es dann im Film aussieht, und so erspart sich die Produktionsfirma ein zusätzliches Wohnmobil samt Fahrer.

Außerdem bauten wir noch einen Schminkwagen mit zwei Arbeitsplätzen, gutem Licht und Heizung und schafften einen Bus an, der ausschließlich als Transporter genutzt wird.

Nebenbei entsteht ein neues Business

Mittlerweile verfügen wir also über eine Flotte von fünf Wägen, die im meist in Wien stehen und da auch gewartet werden. Das ist auch einer unserer großen Vorteile gegenüber den Vermietern in Norddeutschland: Wenn wir deren Wagen nutzten und der einen Schaden hatte, stand der ein paar Tage oder war nur begrenzt einsatzfähig, etwa wenn die Waschmaschine defekt war. Unsere Mechaniker hingegen sind meist innerhalb von ein, zwei Stunden vor Ort, um das Problem zu lösen. Das hat sich inzwischen herumgesprochen, und wir können uns über mangelnde Nachfrage nicht beklagen.

Harter Preiskampf

Es gibt also gute Gründe, uns der Konkurrenz vorzuziehen. Das bedeutet leider nicht, dass wir bessere Preise durchsetzen können. Aber zumindest kann ich auf das Standardargument, in Deutschland wäre das gleiche Fahrzeug billiger, kaltschnäuzig den Rat geben, es dann auch dort zu mieten.

Tatsächlich verlangen wir das Gleiche wie die Konkurrenz, nämlich zwischen 2.500 und 3.000 Euro je Monat. Je kürzer die Mietdauer desto teurer wird es. Aber wenn ein befreundeter Produzent, mit dem ich gute Erfahrungen gemacht habe, für mehrere Filmprojekte anfragt, kommen wir ihm natürlich entgegen.

Genau kalkuliert

Man muss auch immer einkalkulieren, von wem das Auto gefahren wird: Von einem erfahrenen Fahrer oder einem Führerscheinneuling, der sich billig anbietet um einmal beim Film dabei zu sein. Deshalb haben wir die Wägen natürlich auch entsprechend versichert. Wir verrechnen Pauschalen, außer es handelt sich um ein Roadmovie oder eine Produktion an vielen, weit auseinander liegenden Drehorten, dann kommt noch Kilometergeld dazu. 

Wir haben ausschließlich Gebrauchtautos umgebaut und jeweils etwa 8.000 Euro investiert. Dennoch haben wir pro Monat Ausgaben zwischen 1.000 und 1.500 Euro für Kreditrückzahlung, Steuer, Versicherung und Service, sobald ein Auto angemeldet ist. Offensichtlich durch Fehlbedienung vom Mieter verursachte Schäden verrechnen wir natürlich. Vor allem Rückspiegel müssen wir recht häufig ersetzen oder wegen Überlastung verschmorte Steckdosen.

Echter Familienbetrieb

Das erste Filmmobil ist im Frühjahr 2016 fertig geworden, seither waren alle Fahrzeuge ständig im Einsatz. Im letzten Winter haben wir sie abgemeldet und am Hof abgestellt, heuer sieht das schon anders aus: Zwei Fahrzeuge sind bereits ab 8. Jänner reserviert.

Das heißt, wir müssen das Service und etwaige Verbesserungen heuer besonders akkurat timen. Da muss dann auch die ganze Familie mithelfen, immerhin hat unsere Älteste mittlerweile den Führerschein. Wenn sie sich nicht gerade um die Pferde für unsere Bauernhof-Gäste kümmert, kann sie also auch mit den Filmautos helfen. Tut sie natürlich nur, wenn die Gegenleistung stimmt, aber: Recht hat sie!

Wir betreiben den Filmautoverleih ja schließlich nicht als Zeitvertreib, sondern um Geld zu verdienen. Und das hat bisher auch gut funktioniert!

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