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So geht selbständig.

Wann brauche ich eine Unternehmensbewertung?

Jeder zweite Familienbetrieb in Österreich wird in fremde Hände übergeben, weil es innerhalb der Familie keinen Nachfolger gibt. Während der Übergeber naturgemäß einen möglichst hohen Preis erzielen möchte, kann oder will ein potenzieller Übernehmer meist viel weniger bezahlen. 

Bei einer Unternehmensbewertung kommt es also auch immer darauf an, für welchen Zweck sie benötigt wird. 

  • Geht es, wie so oft, um eine Betriebsnachfolge, ist nicht unbedingt ein Sachverständigengutachten erforderlich. Dann reicht meist auch ein anerkanntes betriebswirtschaftliches Bewertungsverfahren wie die DCF-Methode (sieh weiter unten). Die Wirtschaftskammer Wien etwa bietet ein etwas verkürztes und damit auch kostengünstigeres Bewertungsverfahren an: Der Kurzcheck zur Unternehmensbewertung umfasst 12 Beratungsstunden.

Vor allem für Käufer kann es fatal sein, wenn sich der Preis im Nachhinein als viel zu hoch entpuppt. Fallen die Gewinne später niedriger aus als angenommen, wird es schwer bis unmöglich, die Kapitalkosten dauerhaft zu stemmen. Das kann schnell in die Insolvenz führen. 

  • Den Wert eines Unternehmens von einem unabhängigen Experten nach möglichst objektiven Kriterien bestimmen zu lassen ist also vor allem dann sinnvoll, wenn Sie selbst die Nachfolge in einem schon länger bestehenden Unternehmen antreten möchten. Aber auch, wenn ein Investor in Ihr junges Unternehmen einsteigen will. Oder, wenn Sie nach einer Exit-Strategie für Ihr Start-up suchen.

Wer oder was hilft bei der Bewertung?

Um ein Unternehmen fundiert zu bewerten, braucht es auch Zeit. Denn dazu müssen alle verfügbaren Zahlen auf den Tisch, mindestens aber 

  • die Jahresabschlüsse der vergangenen drei Jahre, 
  • eine Umsatzaufstellung nach Kundengruppen, 
  • eine Übersicht der Fixkosten und der Mitarbeiteransprüche

Diese Zahlen müssen sorgfältig und für die Geschäftspartner nachvollziehbar aufbereitet werden. Dabei hilft am besten ein Unternehmensberater oder ein Experte der Wirtschaftskammer bzw. auch ein Wirtschaftsprüfer.

TIPP: Erste Hinweise liefert online der KMU-Unternehmenswert-Rechner. Mit diesem Tool erhalten Sie eine ungefähre Einschätzung zu Ertragskraft und Marktwert eines kleinen oder mittleren Unternehmens. Die Simulation zeigt auch, wie Veränderungen den Marktwert beeinflussen. Der Abschlussbericht erläutert die Berechnung und gibt einen Überblick über die verkaufsrelevanten Faktoren. Voraussetzung für die Nutzung ist allerdings, dass Sie die wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens kennen.

Methode 1: Ertragswertmethode

Die Ertragswertmethode ist eines der am häufigsten verwendeten Verfahren, um den Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Vereinfacht gesagt, geht es darum, dass der Kaufpreis nicht höher sein soll, als die erwarteten Gewinne. Gefragt wird, ob das Geld, also der Kaufpreis, in das Unternehmen oder doch besser in eine andere Kapitalanlage fließen sollte. 

Dazu wird zunächst der erwartete Gewinn (auf der Basis von Werten aus der Vergangenheit) geschätzt und mit dem so genannten Kapitalisierungszinssatz verknüpft. Letzterer setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, dazu zählen neben dem Basiszins auch ein Immobilitäts- und ein Risikozuschlag. Je höher der Kapitalisierungszins ausfällt, umso niedriger wird der Unternehmenswert ausgewiesen – und umgekehrt.

Aber nicht nur bei der Festlegung des Zinssatzes gibt es Spielraum, sondern auch dabei, wie die künftigen Gewinnchancen des Unternehmens eingeschätzt werden. Geht man davon aus, dass alles so weiterläuft wie bisher und sich auch an den Rahmenbedingungen (z.B. Nachfrage, Konkurrenzsituation, Umweltauflagen, etc.) nichts ändert, spricht man von einem objektiven Ertragswert

Alternativ gibt es einen subjektiven Ertragswert, der wahrscheinlich höher ausfällt. Denn er geht davon aus, dass sich der Gewinn künftig besser entwickeln wird, beispielsweise weil eine Restrukturierung greift.

Methode 2: Discounted Cash-Flow-Methode (DCF-Methode)

Während das Ertragswertverfahren auf die künftigen Gewinne abstellt, betrachtet das DCF-Verfahren die künftigen Zahlungsüberschüsse (engl. Cash Flow). Diese werden beim DCF-Verfahren ebenfalls abgezinst und aufsummiert (als Discounted Cash Flow), um den heutigen Wert zu ermitteln. 

Unterschieden wird zwischen der Brutto- und der Nettokapitalisierung. Bei beiden Verfahren steht am Ende aber nur der Marktwert des Eigenkapitals. Es bleiben also nur die Zahlungsüberschüsse übrig, über die ein Eigentümer verfügen darf. 

Auch das DCF-Verfahren lässt Gestaltungsspielraum bei der Prognose der künftigen Zahlungsüberschüsse und der Wahl des Kapitalisierungszinses. Positiv dabei ist, dass der Cash Flow nicht so leicht manipuliert werden kann wie der Bilanzgewinn. Der ermittelte Wert sollte also etwas objektiver sein, als beim Ertragswertverfahren.

Weiterlesen: Der Cashflow ist eine wichtige Kennzahl, aber wofür genau steht sie?

Methode 3: Substanzwertmethode

Die Substanzwertmethode zieht die Sachwerte eines Unternehmens heran, um seinen Wert zu beurteilen. Gefragt wird, wie viel Kapital wäre nötig, um dieses Unternehmen mit seiner vorhandenen Ausstattung neu aufzubauen. 

Schon bei dieser Frage gibt es unterschiedliche Ansätze. Werden die Gegenstände nach ihrem Buchwert in der Bilanz beurteilt? Oder danach, wie viel es kosten würde, sie neu zu beschaffen? Oder etwa danach, was sie im gebrauchten Zustand noch einbringen würden, wenn sie verkauft würden? 

Immaterielle Werte wie z.B. der gute Ruf des Unternehmens, sein Kundenstamm etc. werden nicht berücksichtigt. Bei dieser Bewertungsmethode bleibt außerdem der Wert, den ein Unternehmen erwirtschaften kann, völlig außen vor. Daher wird der Substanzwert heute oft nur noch als Untergrenze für den Unternehmenswert angesetzt oder als Hilfswert für die Ermittlung des Ertragswertes. 

Der Substanzwert ist vor allem dann hilfreich, wenn ein großer Teil des Unternehmensvermögens in Immobilien und/oder Produktionsanlagen gebunden ist. Oder wenn Sie wissen möchten, wie hoch der Beleihungswert des Vermögens wohl ist. 

Methode 4: Vergleichswertverfahren

Bei diesem Verfahren wird einfach geschaut, für welchen Preis ein ähnliches Unternehmen aus derselben Branche verkauft wurde oder bei Start-ups manchmal auch, wie viel sein Börsengang einbrachte.

Besonders beliebt ist die Variante des Multiplikator-Verfahrens. Dabei wählt der Wertermittler zunächst eine besonders aussagekräftige Finanzkennzahl des Unternehmens, das er bewerten soll. Das kann z.B. der Umsatz oder der Jahresüberschuss sein. Dann wird von einem zweiten, ähnlichen Unternehmen, von dem der Unternehmenswert bekannt ist, ein Multiplikator ermittelt. Beispielsweise könnte es sein, dass dieses zweite Unternehmen für das Fünffache seines Umsatzes verkauft wurde. Dann wäre der Multiplikator 5. Und das zu bewertende Unternehmen käme dann ebenfalls auf einen Wert, der dem Fünffachen seines Umsatzes entspricht. Manchmal werden auch mehrere Vergleichsunternehmen herangezogen, um einen Multiplikator zu errechnen.

Das klingt einfach, setzt allerdings voraus, dass der Wertermittler einen guten Marktüberblick hat und das Vergleichsunternehmen passt. Und dass die gewählte Finanzkennziffer auch wirklich aussagekräftig ist.

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Was sagt das Bewertungsergebnis aus?

Am Ende der Unternehmensbewertung werden Sie eine oder mehrere Zahlen sehen, die den Wert des Unternehmens widerspiegeln sollen. Aber ist dieser Wert identisch mit dem Preis, den Sie zahlen müssen oder erhalten sollen? Und können Sie sich darauf hundertprozentig verlassen? Die Antwort ist ein klares Jein. 

Denn auch die verschiedenen Bewertungsmethoden können nur einen Näherungswert angeben. Es gibt immer einen gewissen Spielraum, wie die Zahlen interpretiert werden können. Manchmal ist es auch sinnvoll, mehrere Bewertungsverfahren anzuwenden, um ein umfassenderes Bild zu erhalten.

Außerdem spielen neben den „harten“ Kennziffern immer noch außerbetriebliche Faktoren eine Rolle. Angebot und Nachfrage zum Beispiel. Wie viele Interessenten gibt es und wie sieht es mit deren Finanzkraft und Risikobereitschaft aus? Steht der Verkäufer unter Druck und wie viel Verhandlungsgeschick bringen die Geschäftspartner mit? 

Am besten nehmen Sie also den ermittelten Unternehmenswert als Ausgangsbasis für Ihre Preisverhandlungen. Und setzen sich zum Ziel, dass am Ende ein gutes Geschäft für beide Partner herauskommt.

Weiterlesen: KMU an die Börse – das gilt es zu beachten

Weiterlesen: Rechtsformwechsel für Unternehmen – macht Ihre GmbH noch Sinn?

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