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So geht selbständig.

In „Nachhaltigkeit ist nicht Gerechtigkeit“  erklärt Prof. Christa Zuberbühler, Professorin für Economy, Sustainable Development und Mediation, warum es so wichtig ist, Begriffe genau zu definieren, wie man auch im Kleinen Nachhaltigkeit schaffen kann und warum die Beantwortung gesellschaftspolitischer Fragen nicht der Wirtschaft überlassen werden darf.

Port41: Nachhaltigkeit ist ein viel strapazierter Begriff. Warum ist eine genaue Definition so wichtig?

Christa Zuberbühler: Wenn wir Sprache als Kommunikationsmittel einsetzen, um einander zu verstehen und uns selbst verständlich zu machen, dann sollte jeder wesentliche Begriff genau definiert sein. Ansonsten wissen wir ja nicht, wovon der andere spricht. Klare Definitionen sind die Grundlage einer präzisen Sprache.

Vieles, was an Konflikten schwelt, hat sein Fundament in Kommunikationsproblemen. Daher basiert die Mediation als wissenschaftliche Methode, wie ich sie als Professorin am emca-campus Leobersdorf lehre, im ersten Schritt einmal auf der Klärung der Begriffe, damit der Konflikt überhaupt fassbar gemacht werden kann.

Das gleiche gilt für Nachhaltigkeit: Mediation ist eine adäquate Methodik, um im Diskurs um Nachhaltigkeit überhaupt erst eine gemeinsame Verständigungsbasis zu schaffen. Um diesen wichtigen Diskurs zu fördern, gibt es Initiativen, wie das Zentrum für Nachhaltigkeit, für das ich mich im wissenschaftlichen Beirat engagiere. 

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Ist das Verkaufsargument „Nachhaltigkeit“ heute noch etwas Besonderes? Oder eher etwas fast schon Beliebiges, wie „Bio“?

Christa Zuberbühler: „Beliebig“ ist nicht das Gegenteil von „etwas Besonderes“. Bio ist nicht beliebig – also: „ohne klaren Inhalt“. Es gibt klare Regeln, wann etwas als Bio bezeichnet werden darf. Es gibt immer mehr davon, also hoffen wir, dass es bald in diesem Sinn nichts „Besonderes“ im Sinne von „Außergewöhnliches“ mehr sein wird, sondern mehr oder weniger eine Selbstverständlichkeit.

Mit Nachhaltigkeit verhält es sich anders: Es ist ein Etikett, das sich jeder und jede anheften kann – oft mit den unsinnigsten Argumenten. Dementsprechend wird es abgenutzt und verliert aus diesem Grund seine „Besonderheit“, im Sinne von „hervorragend“.

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Können kleine UnternehmerInnen etwas bewegen in einer globalen Wirtschaft, die vor allem gewinnorientiert denkt?

Christa Zuberbühler: Da sind wir schon wieder bei einem unklaren Begriff: Gewinn. Auch kleine Unternehmer und Unternehmerinnen müssen gewinnorientiert denken – weil für sie dieser Gewinn ihr Einkommen darstellt, den Lohn ihrer Arbeit. Auch sie wollen vernünftig leben, schließlich setzen sie sich in besonderem Maße für die Gemeinschaft ein: Sie tragen wirklich Verantwortung und übernehmen diese auch noch für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie sind das Rückgrat jeder Gesellschaft, sie bewegen ihr Umfeld im positiven Sinne.

Die großen Global Player hingegen meinen vor allem Macht, wenn sie von Gewinn sprechen. Ihr „Gewinn“ sprich rücksichtslose Machtorientierung ist schädlich für die Gesellschaft. 

Wie kann man im Kleinen Nachhaltigkeit schaffen?

Christa Zuberbühler: In dem man umweltbewusst lebt, ein Vorbild ist, den Respekt vor allem Leben auch anderen vorlebt – damit trägt man zum Umweltbewusstsein bei. Wenn man damit nur ein, zwei andere überzeugt, die wiederum andere überzeugen – Sie kennen das persische Märchen vom Schachbrett und den Reiskörnern? Ein Reiskorn am ersten Schachbrettfeld, am zweiten zwei und dann auf jedem weiteren lediglich eine Verdopplung des vorhergehenden und am Ende reicht die Reisernte der ganzen Welt nicht mehr aus.

Ist Nachhaltigkeit für kleine UnternehmerInnen überhaupt wichtig?

Christa Zuberbühler: Wichtig wofür? Für ein gutes Leben, Respekt und Anerkennung in der Gemeinschaft? Im Sinne der obigen Frage ist auch die Vorbildwirkung jedes kleinen Unternehmens wichtig. Und es ist auch für kleine Unternehmen von Bedeutung, sich mit Nachhaltigkeit kritisch auseinanderzusetzen und die Chancen zu entdecken, die nachhaltiges Wirtschaften gerade für kleine Unternehmen bringen kann.

Am emca-campus Leobersdorf wurde eine Managementausbildung entwickelt (Magister für Nachhaltigkeitsmanagement und Unternehmensführung), die sich im Besonderen mit den Grundlagen nachhaltigen Wirtschaftens auseinandersetzt.

Der Titel Ihres neuen Buchs lautet „Nachhaltigkeit ist nicht Gerechtigkeit“. Wie erreicht man Gerechtigkeit für sich und andere?

Christa Zuberbühler: Der Titel des Buches soll darauf hindeuten, dass Nachhaltigkeit mehr ist als nur Gerechtigkeit.

Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir die Selbstgenerationsfähigkeit eines Systems – im umfassendsten Sinn unseres Planeten – durch unsere Eingriffe nicht gefährden, also mit den Ressourcen verantwortungsvoll umgehen und die Konsequenzen unseres Handelns bedenken.

Bei der Gerechtigkeit geht es zumeist um Verteilung von Ressourcen zwischen uns Menschen – die uns umgebende Natur hat dabei keine Verteidigung.

Gerechtigkeit ist ein sehr komplexes soziales Konstrukt – und damit abhängig von Weltanschauungen und auch davon, was wir als „wünschenswert“ ansehen. Wie oft hört man: „Wozu brauchen wir das? Ich brauche das nicht!“ „ICH“ ist also der Maßstab, und in diesem Sinn werden die meisten Konflikte um eine Vorstellung von Gerechtigkeit ausgetragen.

Gerechtigkeit ist ein Aushandlungsprozess, und man erreicht sie am ehesten durch einen offenen, ehrlichen, selbstkritischen Diskurs. Leider ist es darum bei uns sehr schlecht bestellt. Wir diskutieren ja nicht, um eine gemeinsame Lösung zu finden, sondern, um uns durchzusetzen. Deswegen brauchen wir gute, ehrliche Mediatoren und Mediatorinnen, die uns lösungsorientiertes Arbeiten an Interessensgegensätzen wieder nahebringen.

Ich hoffe, es gelingt mir, im Rahmen des Studiums „Magister/Magistra in Mediation und Konfliktbearbeitung“  solche kritisch denkende und ethisch arbeitende Mediatoren und Mediatorinnen auszubilden.

Wie können die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ und der Wunsch nach Gerechtigkeit unter einen Hut gebracht werden?

Christa Zuberbühler: „Geiz ist geil“ ist für mich nur das hässliche Gesicht des Marktmechanismus, wenn er darauf reduziert wird, dass die Nachfrage rein auf das Angebot mit dem niedrigsten Preis ausgerichtet ist.

In der Wirtschaft spielt viel mehr mit, als nur der Preis. Wir sind nicht der rationale „homo oeconomicus“, sondern vielmehr dominieren auch Emotionen unsere Entscheidungen. Wenn es nur darum ginge, Ware zum niedrigsten Preis zu produzieren oder zu handeln, dann wäre das Wirtschaftsstudium nicht so komplex, wie es nun tatsächlich ist.

Markt und Gerechtigkeit haben wenig miteinander zu tun und daher können sie auch nicht unter einen Hut gebracht werden. Gerechtigkeit ist eine gesellschaftspolitische Frage, und wir dürfen nicht den Fehler machen, derartige gesellschaftspolitische Fragen nur noch über die Wirtschaft zu verhandeln bzw. von wirtschaftlich Mächtigen beeinflussen zu lassen. Eine lebendige, politisch aktive, kritische und gut informierte Zivilgesellschaft ist das Forum für Fragen der Gerechtigkeit.

BUCHTIPP: 

Christa Zuberbühler, Christina Weiss
Nachhaltigkeit ist nicht gleich Gerechtigkeit
Plädoyer für einen präzisen Nachhaltigkeitsbegriff
224 Seiten, oekom verlag München, 2017
ISBN-13: 978-3-96006-024-6

Christa Zuberbühler ist Professorin für Economy, Sustainable Development und Mediation sowie Dekanin des emca-campus des Universitätenverbunds in Leobersdorf, Österreich und Mitglied im Wissenschaftsbeirat des Österreichischen Zentrums für Nachhaltigkeit. Präsidentin des Internationalen Dachverbands für Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement icbm

Christina Weiss hat langjährige Erfahrung als selbständige Unternehmensberaterin und arbeitet als wissenschaftliche Assistentin an Forschungsprojekten zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Mediation, dem Einsatz von Mediation im interkulturellen Dialog und zu Ethik in der Wirtschaft.

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