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So geht selbständig.

Charles Fürth hat lange Jahre als Regisseur und Kameramann gearbeitet, bevor ihn ein Vortrag des Nobelpreisträgers Muhammad Yunus in eine neue, unerwartete Richtung geschickt hat. Dessen Ideen zur Mikrofinanz haben ihn erst mal nach Afrika gebracht. Und der Ansatz des direkten Handels und der möglichst umweglosen Wertschöpfung haben ihn schließlich zum Kaffeeröster in Wien werden lassen.

Es muss ja noch mehr geben im Leben …

Nach fast zwanzig Jahren Werbung, Werbung, Werbung habe ich mir gedacht, vielleicht hat das Leben ja auch noch anderes zu bieten, und ich habe mich auf die Suche nach Alternativen begeben. Erst noch innerhalb der Branche, doch schon das erste Projekt hat mich nach Afrika geführt. Es war, als wäre eine Weiche gestellt worden, die mich auf ein Gleis geführt hat, von dem ich vorher gar nicht die Absicht hatte, es zu nehmen. Aber es hat mich auf eine mehrjährige Reise geschickt, die am Ende zum Kaffee geführt hat.

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Idee vom Nobelpreisträger

Einen ganz entscheidenden Einfluss hatte ein Vortrag von Muhammad Yunus, der für die Erfindung des Mikrokredits 2006 den Friedensnobelpreis bekommen hat. Beim Kaffee bin ich nicht gelandet, weil ich persönlich ein besonderer Liebhaber oder Spezialist bin. Aber ich habe bemerkt, dass er von allen Waren, die weltweit gehandelt werden – wie etwa Reis, Weizen oder Baumwolle – jene ist, wo sich das Prinzip des Direct Trade am besten umsetzen lässt. Zum Unterschied von einem Sack Reis kann ich nämlich beim Kaffee genau zurückverfolgen, von welchem Bauern er kommt. Und so, wie bei uns jeder den Winzer seines Vertrauens hat und oft auch persönlich kennt, lässt sich auch bei Kaffee ein Vertrauensverhältnis aufbauen.

Direkte Handelsbeziehungen

Die logische Folge war, dass ich mich mit dem Rösten befasst habe. So kann ich den Weg der Bohne vom Bauern; über meinen Röster bis in die Tasse genau nachvollziehen. Und man kann dem Prinzip Fair Trade noch eins draufsetzen. Das Gütesiegel garantiert zwar gewisse Standards, schaltet aber erst wieder eine Institution dazwischen, während beim Direct Trade maximal ein lokaler Einkäufer zwischen den Bauern und mir steht. Und den kenne ich persönlich, ich weiß also, was ich von ihm erwarten darf.

Weil so eine ganze Reihe von Zwischenhändlern ausgeschaltet wird, bedeutet das für den Produzenten mehr Profit, während wir hier am anderen Ende immer noch einen Preis zustande bringen, zu dem wir gut verkaufen können. Dass das aber nur funktioniert, wenn die Qualität in Ordnung ist, weiß natürlich jeder in dieser Kette ganz genau. Der durchschnittliche Konsument kennt Kaffee nur als Markenprodukt, das wäre so, als würde er den Wein im Tetrapack kaufen. Aber seit ein paar Jahren entwickelt sich auch in Sachen Kaffee ein Bewusstsein, ganz wie beim Wein vor einem Vierteljahrhundert.

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Nachvollziehbares Produkt

Wie beim Wein gibt es auch beim Kaffee Terroirs. Sie heißen Micro Lots und sind geschützte Herkunftsbezeichnungen. Man kann also durchaus zu den Produzenten reisen und sich nach ganz genauen Vorgaben mit Bohnen eindecken. Für einen Kleinröster wie mich ist das aber ökonomisch nicht machbar. Allerdings hat sich eine Reihe kleiner Händler auf diese Nische spezialisiert: Sie liefern ausschließlich beste Ware direkt vom Produzenten an Röster wie mich.

Ich werde immer wieder gefragt, ob ich Fair Trade Kaffee habe, kann aber ruhigen Gewissens sagen: sogar noch besser! Weil zum Glück ist Direct Trade noch nicht in eine zertifizierte Vermarktungsmaschinerie geraten. Ich glaube, das würde viele Errungenschaften wieder zu Nichte machen. Ich bin Fair Trade sehr dankbar, weil sie das Bewusstsein geschaffen haben, aber Qualitätsmerkmal ist es halt keines.

Letzter in der Kette

Zum Röster bin ich also eher unabsichtlich geworden, um am Ende der Direct Trade-Kette den Kontakt zum Abnehmer herzustellen. Ursprünglich hatte ich die Idee, in den Anbaugebieten kleine Röstereien zu starten. Denn genau in dem Moment, wo die Bohnen geröstet werden, vervierzigfacht sich der Preis. Doch diesen Plan habe ich dann rasch wieder fallen gelassen, Kaffee lässt sich nämlich nur in rohem Zustand ohne Qualitätsverlust transportieren. Und auch die EU-Vorgaben hinsichtlich Hygiene, Verpackung und Etikettierung wäre vor Ort wohl kaum zu schaffen gewesen.

Also musste ich das selber in die Hand nehmen. Dass die Rösterei ein freies Gewerbe ist, hat die Anmeldung des Betriebs erleichtert. Das Handwerk habe ich von der Pike auf im Selbststudium gelernt: Erst habe ich auf einem Heimröster, danach mit einem semiprofessionellen Apparat zu Hause experimentiert und kiloweise Rohkaffee verarbeitet, den dann Freunde und Familie verkosten und beurteilen mussten. Das Rösten ist ein Handwerk, bei dem es viel auf Übung ankommt und auf subjektive Geschmackswahrnehmung, man muss versuchen, Anklang zu finden.

Der richtige Moment

Natürlich habe ich auch Kurse belegt. Ich war in der Berlin School of Coffee auf einem Röstkurs. Und auch das Glück hat mir geholfen: 2008, im Rahmen eines Absolvententreffen meines Colleges in England bin ich über einen der alten Kommilitonen mit einem renommierten Röster zusammengekommen, der mir eine ganz neue Welt eröffnet hat: die sogenannte " third wave in coffee". Da habe ich begriffen, dass ich in etwas einsteige, was gerade erst im Kommen ist, und das es in Wien, abgesehen von zwei, drei Ausnahmen, noch nicht gibt.

Diese Vorreiter habe ich ausfindig gemacht und bei einer von ihnen, der mehrfachen österreichischen und internationalen Barista Meisterin, Johanna Wechselberger, einen Kurs belegt. Denn wenn man erstklassigen Kaffee machen will, muss man den auch korrekt und ohne Kompromisse zubereiten können, um die ganze Aromenvielfalt und Qualität herzeigen zu können. Von Johanna Wechselberger habe ich aber nicht nur die Zubereitung, sondern auch viel über die Herkunft der Kaffeesorten gelernt und auch den Kontakt zum Konstrukteur meiner ersten professionellen Röstmaschine in Piräus bekommen.

Geruchsintensives Gewerbe

Als nächstes habe ich mich auf die Suche nach einem Lokal gemacht, in dem ich auch Rösten kann. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon einen Kunden, der bei mir kaufen wollte, sobald er mit seinem Lokal bereit für die Eröffnung wäre. Es entstand so eine Art Wettlauf zwischen uns, den ich schließlich verloren habe. Es gibt zwar in Wien ein paar kleine Röstereien in Gassenlokalen, die sind aber wegen angeblicher Geruchsbelästigung auf wenige Stunden an einem Tag pro Woche beschränkt.

Also habe ich in Gewerbegebieten außerhalb des Gürtels geschaut und bin 2010 schlussendlich bei einem ehemaligen Film Catering-Unternehmen in Göttlesbrunn gelandet. Weil man aber den Kunden die Produkte auch irgendwo vorstellen muss, habe ich mich im Jahr darauf in einem Shared Space-Office mit direktem Gassenzugang eingemietet. Im siebenten Bezirk, der Autobus fährt auch vorbei, so dass auch eine gewisse Sichtbarkeit gegeben ist.

Mund zu Mund Marketing

Meine Marketingmaßnahmen beschränken sich auf Mund zu Mund-Propaganda und einen Webauftritt samt Shop und Facebook-Präsenz. Das hat bisher gereicht, um die laufenden Kosten und meine eineinhalb Mitarbeiter zu bezahlen. Finanziert habe ich den Start mit einem Kredit, für den meine Eltern die Bürgschaft übernommen haben.

Förderungen habe ich keine erhalten, außer die üblichen zwei Stunden Beratung von der Kammer. Die erste war auch sehr aufschlussreich, doch bei der zweiten wollte mich der Business Angel von einem anderen Standort überzeugen, einer ehemaligen Kaffee Konditorei mit vollständiger Patisserie-Küche. Schaut ganz so aus, als hätte der Berater das Konzept nicht durchschaut. Da geht´s nämlich ausschließlich um Kaffee, direkt gehandelt und perfekt geröstet. Und das hat sich als durchaus erfolgreich erwiesen!

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