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So geht selbständig.

Wie das elterliche Verbot, Haustiere zu halten und der Drang zur Selbstständigkeit ein erfolgreiches Start-up ergeben, erklärt uns Alexander Penzias. Gemeinsam mit Alvaro Lobato-Jimenez hat er „Herbert“ erschaffen, einen innovativen Indoor-Gemüsegarten.

Lernen am Fisch

Bedingt durch den Beruf meines Vaters als Handelsdelegierter habe ich meine Kindheit an den verschiedensten Orten der Welt verbracht, am längsten habe ich in Japan gelebt. Hund und Katze waren unter diesen Umständen keine Option, weil ich aber unbedingt Haustiere wollte, bin ich bei den Fischen gelandet. Ich wurde zum Aquaristen, habe Fische und Garnelen gezüchtet und ausprobiert, was sonst noch alles geht. Dabei ist mir aufgefallen, dass man – obwohl es scheinbar immer ums Gleiche geht – für jede Art von Fisch oder Wassertier ganz unterschiedliche Parameter für die jeweilig idealen Lebensbedingungen beachten und tunlichst einhalten muss.

Dem Öko-Gleichgewicht auf der Spur

Das hat meine Neugier geweckt. Ich habe zu recherchieren begonnen und bin auf die Aquaponic gestoßen. Die setzt sich aus zwei Disziplinen zusammen: der Aquakultur, also der Technik zur Aufzucht von Fischen, und der Hydrokultur, also der Methode, Pflanzen in einem anorganischen Substrat wurzeln zu lassen und über eine wässrige Lösung mit Nährstoffen zu versorgen. Diese Kombination ermöglicht es, die Stoffwechselprodukte der Fische als Dünger für die Pflanzen und diese wiederum zur Reinigung des Wassers zu nutzen.

Die Vorstellung, so Speisefische und den Salat und die Gewürze gleich dazu möglichst in der Nähe der Konsumenten zu produzieren, hat mich fasziniert und nicht mehr losgelassen. Um 2014 habe ich meinem Freund Alvaro von der Idee erzählt. Wir haben uns immer, wenn ich in Wien war, getroffen und über unseren Wunsch, etwas selbstständig auf die Beine zu stellen geplaudert. Und beide haben wir Gemüse auf dem Balkon gezüchtet.

Volle Kontrolle am Balkon

Zu der Zeit sind gerade wieder einige Lebensmittelskandale durch die Medien gegangen. Alvaro, der sich sehr bewusst und vegetarisch ernährt und – wie auch ich – lieber selbst gezüchteten Salat vom Balkon isst, als den mit dem LKW aus spanischen Gemüsefabriken importierten, war sofort mit Leidenschaft dabei. Wir sind zwar beide keine Biologen, aber das nötige Wissen, um aus dem Hobby einen Beruf zu machen, kann man sich ja aneignen.

Wichtiger war, dass ich dank meines BWL-Studiums weiß, wie man unternehmerisch denken und rechnen muss, und dass Alvaro als Informatiker und Elektrotechniker in der Lage ist, die technischen Voraussetzungen zu verstehen und Lösungen zu finden. Uns schwebten größere Anlagen auf Hausdächern mitten in Wien vor, wo man jährlich fünf bis acht Tonnen Fisch und 15 bis 20 Tonnen Gemüse produzieren könnte.

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Wandfarm im Wohnzimmer

2014 haben wir mit der Entwicklung unserer ersten Aquaponic-Versuchsanlagen begonnen. Wir haben zwei Prototypen für uns zu Hause gebaut, wegen der beschränkten Platzverhältnisse wurden es eher zufällig senkrechte Wandgärten. Dabei ist uns aufgefallen, dass uns das nicht nur unglaublich viel Freude bereitete – wir konnten so auch unsere eigenen Lebensmittel herstellten und zwar direkt dort, wo wir sie konsumieren wollten, und jeweils nur so viel, wie wir brauchten. Wir mussten nie wieder halb volle Plastiksackerln mit verdorbenem Gemüse wegwerfen.

Rasch wurde uns bewusst, dass darin ein zusätzlicher Produktnutzen steckte: Unsere Prototypen waren noch viel näher am Konsumenten dran, als die Plantage am Dach. Also konzentrierten wir uns erst einmal auf diese kleine Lösung – nicht zuletzt auch, weil wir nicht annahmen, dass wir als Laien das nötige Kapital für eine große Anlage würden auftreiben können.

Erste Ernte dank Opas Erbe

Bis zu diesem Stadium konnte ich die Entwicklung problemlos privat finanzieren. Mein Großvater hatte als bewusster und vorausschauender Unternehmer nämlich so klug gewirtschaftet, dass er seiner Familie etwas Kapital hinterlassen konnte. Nicht wahnsinnig viel, aber jedenfalls genug, um uns den ersten Schritt in die richtige Richtung zu ermöglichen.

Wir haben also weiter an unseren Prototypen für die Wohnung gearbeitet – und die hatten zwei wesentliche Vorteile: Die Temperaturen liegen in einem Bereich, den die Pflanzen mögen, und die vertikalen Flächen der Wände bieten in Summe mehr Platz als die Dächer. Die ersten Anlagen bestanden aus einer Reihe von umgebauten Kabelkanälen, in denen die Pflanzen in einer Nährlösung standen, die aus dem darunter befindlichen Aquarium kam, und von darüber montierten Lichtquellen für die nötige Energie der Photosynthese.

Die nächste Herausforderung war dann, ein marktreifes, kompaktes Produkt für Wohnungen zu entwickeln. Um die Finanzierung dafür zu erleichtern, haben wir beschlossen, uns auch um Förderungen zu bemühen.

Förderung finanziert Firmengründung

2016 haben wir eine Firma gegründet und einen Mitarbeiter angestellt: Fabian Schipfer kümmert sich seither vor allem auch um Förderungen – und zwar recht erfolgreich: Von den neun Anträgen, die wir seither gestellt haben, sind alle genehmigt worden. Die erste Förderung war der Innovationsscheck der FFG, damit haben wir unser LED Lichtsystem weiterentwickelt.

Dabei sind wir zu höchst interessanten Ergebnissen gekommen: In der Versuchsanordnung haben wir ein Beet in mehrere voneinander lichtdicht getrennte Streifen unterteilt, um herauszufinden, welche Lichttemperatur das Wachstum bestmöglich unterstützt. Verblüffender Weise haben sich die Pflanzen aber auch, was Form und Oberflächen anlangt, sehr unterschiedlich entwickelt. Manchmal waren die Basilikumblätter glatt, dann wieder „krumpelig“, größer oder kleiner. Natürlich haben wir sie dann auch verkostet und festgestellt, dass auch der Geschmack extrem variabel ist und mittels Licht gesteuert werden kann. 

Patente schützen vor schlechten Kopien

Drei weitere Förderungen kamen vom AWS. Eine hat uns ermöglicht, Spezialwerkzeuge und eine Containeranlage zu entwickeln, die demnächst fertig wird, zwei weitere Förderungen haben uns bei der Patentanmeldung geholfen. Weitere Förderungen, etwa von der WirtschaftsAgenturWien, haben wir genutzt, um Personal für die Entwicklung anzustellen. Das ist wichtig, wenn man mit Investoren verhandelt.

Persönlich bin ich ja ein Anhänger von Open-Source-Entwicklungen, aber wenn man möchte, dass sich jemand mit finanziellen Interessen beteiligt, ist es wichtig, dass das geistige Eigentum der Firma geschützt ist und man sich so gegen schlechte Kopien absichert. Außerdem ist es mir ein Bedürfnis, mit den Mitteln, die ich meinem verstorbenen Großvater verdanke, möglichst sorgsam umzugehen.

Fit für die Vermarktung 

Bald war uns klar, dass wir uns mit unserem ersten kommerziellen Produkt direkt an den Endkunden wenden wollten und wir haben mit der Entwicklung eines entsprechenden Designs begonnen. Wir haben die ideale Größe gesucht, Möglichkeiten zur Diversifizierung ausgelotet und sind, wie die Autoindustrie, bei einer Plattformtechnologie gelandet, die es uns ermöglicht, mit einigen wenigen Grundelementen unterschiedlich dimensionierte Endgeräte anzubieten.

Die Fische sind leider auf der Strecke geblieben – sie würden das System für eine wartungsarme Heimanwendung zu komplex machen. Wir planen aber, zu einem späteren Zeitpunkt personalisierte Varianten anzubieten, in Zukunft werden die Kunden ihre hydroponischen Anlagen um ein Aquarium erweitern können. An deren Stelle tritt einstweilen ein Dünger, den wir unseren Kunden zusammen mit Samen als Abonnement anbieten.

Ganz wichtig war natürlich auch der richtige Name. Wir wollen nicht ans schlechte Gewissen appellieren, aber trotzdem Emotionen ansprechen. Außerdem sollte der Name nicht nur im deutschsprachigen Markt, sondern auch darüber hinaus funktionieren. Schließlich sind wir bei „herbs“, den Kräutern, die wir an die Wand bringen, und im Folge bei „Herbert“ gelandet. So hat diese eigentlich recht technische Anlage einen menschlichen Namen bekommen.

Crowdfunding auf Indiegogo

Dass das Produkt tatsächlich ankommt, hat unsere Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter und Indiegogo ausgesprochen eindrucksvoll gezeigt. Dabei waren wir uns anfangs gar nicht sicher, ob wir die für eine Produktion nötigen Bestellungen im Gesamtwert von 50.000 Euro überhaupt erreichen würden. Bis dahin waren wir ausschließlich mit Eigenmitteln und Förderungen durchgekommen, und wir wollten auch weiter unabhängig bleiben.

Die Crowdfunding-Kampagne war nicht nur für die Finanzierung interessant, sie war auch eine gute Möglichkeit, das Interesse an unserer Entwicklung zu testen. Erfreulicherweise gab es ganz offensichtlich genug Menschen, die unseren „Herbert“ bei sich zu Hause haben wollten. Innerhalb von nur sechs Stunden hatten wir – zum damaligen Verkaufspreis von 300 Euro – die ersten 150 Stück verkauft, was der von uns angestrebten Summe entsprach.

Mittlerweile haben wir so schon 800 Stück verkauft. „Herbert“ besteht aus mehr als 70 Einzelteilen, die größtenteils in Österreich, Deutschland, Slowenien und Ungarn produziert werden. Ende Mai sollten die ersten Exemplare bereit sein, um von ihren Besitzern mit Wasser und Nährstoffen befüllt und besamt zu werden.

Unterstützung der EU 

Und wir können uns der Aufgabe widmen, die Gelder, die wir von der EU im Zuge des Förderprogramms Horizon 2020  bekommen haben, widmungsgemäß zu nützen und unsere Containeranlage fertig zu entwickeln.

Wir sind ziemlich stolz darauf, uns für dieses Programm qualifiziert zu haben. Von weit über 1.000 Anträgen haben wir es unter die 40 abgenommenen geschafft. Darüber hinaus wurde unser Antrag auch zum bestbegründeten aus Österreich seit Bestehen der Förderstelle gekürt, das heißt, das nicht nur unser Projekt als förderwürdig erkannt wurde, sondern auch die Beschreibung desselben als vorbildlich ausgezeichnet wurde. Jetzt dürfen wir zusammen mit der Universität für Bodenkultur dort weiterforschen, wo wir vor ein paar Jahren mit unseren – im Rückblick gesehen eher amateurhaften – Versuchen mit den LED-Lampen stehen geblieben sind.

„Herbert“ forscht weiter

Wir haben unsere Farben damals einerseits empirisch gefunden und etwa aus ästhetischen und physiologischen Gründen zum Beispiel auf UV Licht verzichtet. Wir wollten keinen violetten Schimmer in die Wohnzimmer bringen. Jetzt erarbeiten wir wissenschaftlich fundiert, wie man mit unterschiedlichen Lichtfarben in unterschiedlichen Wachstumsstadien der Pflanzen die Produktion von Antioxidantien beeinflussen kann und somit auch den Geschmack, die Farbintensität oder die Geruchsintensität von Pflanzen beeinflussen kann. Das bedeutet auch, dass wir den Nährwertgehalt der Pflanzen für uns Menschen erhöhen können. Davon wird „Herbert“ sicher profitieren!

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