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So geht selbständig.

Mit dem Restaurant Habibi & Hawara zeigen die Marketingfachfrau Katha Häckel-Schinkinger und der Unternehmer und Biolandwirt Martin Rohla, dass Social Entrepreneurship mehr als Philanthropie und Gutmenschentum ist. Nämlich die Basis für ein nachhaltiges Unternehmen.

Hosten statt Posten

Seinen Ursprung hat das Projekt im Jahr 2015. Damals haben wir in der Stadtflucht Bergmühle für Geflüchtete gekocht. Die Stadtflucht ist ein Ort im Weinviertel, per Eigendefinition ein Verein für Kochen und Muße im Grünen. Das Kochen spielt also eine große Rolle, aber soziales Engagement ist den Mitgliedern ebenso wichtig. Unter dem Motto „Hosten statt Posten“ – also Menschen zum Essen einzuladen statt seinen Frust nur in den sozialen Medien Lauf zu lassen – haben wir, schon bevor das Thema in aller Munde war, begonnen, Geflüchtete an den Tisch zu holen.

Kochen für Integration

Die Vereinsmitglieder haben also mit Hilfe von Caritas, Diakonie und dem Samariterbund Geflüchtete aus Traiskirchen und anderen Unterkünften in Wien in die Bergmühle geholt und bekocht. Anfänglich war das als Einmalaktion geplant, doch dann haben wir von Juli bis Oktober 1.300 Menschen verköstigt. So wurden wir eine der ersten zivilgesellschaftlichen Initiativen, die sich „praeaktiv“ um Integration gekümmert haben. 

Es war uns ein Anliegen, schnell etwas zu tun, Hilfe zu leisten und nicht nur Worte zu spenden. Unser Verein ist immerhin 600 Mitglieder stark, später haben sich dann auch Firmen gefunden, die uns unterstützt und beispielsweise für den Transport gesorgt haben.

Know-how sinnvoll einsetzen

Im Rahmen dieser Aktion ist dann noch viel mehr entstanden. Wir konnten Privatunterkünfte vermitteln, haben Menschen aus Konfliktregionen kennengelernt und viel über ihre Fähigkeiten und Berufe erfahren. Und schließlich haben wir uns gedacht, dass da noch mehr geht. Ihnen etwa Berufsausbildungen zu verschaffen. Oder eine Arbeit. Und einige Geflüchtete haben ja auch unternehmerische Erfahrungen – das einzige was sie aus der Heimat, wo sie alles andere zurücklassen mussten, mitgebracht haben.

Aus Untersuchungen der OSZE weiß man, wie lange es dauert, bis Geflüchtete Arbeit finden. So lange wollten wir nicht warten und haben beschlossen, ein Unternehmen zu gründen, um den Prozess so mit Hilfe einer Privatinitiative abzukürzen.

Wer nix wird, wird Wirt

Martin ist dann mit dem Spruch "Wer nix wird, wird Wirt" und seiner Gastroerfahrung in der Stadtflucht und im Vorstand einer Burger-Kette auf den Plan getreten, und wir haben schließlich die Idee mit dem Wirtshaus geboren. Der Plan war, zunächst zehn Geflüchtete im Betrieb auszubilden und dann das Lokal an den oder die Motivierteste/n und Talentierteste/n zu übergeben. Nach unseren Vorstellungen sollte er oder sie den Betrieb dann als UnternehmerIn selbst weiterführen. Doch im Laufe der Zeit wurde das Projekt einerseits immer größer, andererseits mussten wir feststellen, dass Gastronomie für jemanden, der unerfahren ist – und das waren wir ja auch zu Beginn – eher was von Raketenwissenschaft hat. Nur dass man sich nicht auf exakte Formeln verlassen kann.

Start-up mit privaten Sponsoren

Dank unser beider Start-up Mentalität haben wir uns aber als schnell lernende Organisation bewiesen, wobei das eher auf Martin und seine schnellen Entscheidungen zurückzuführen ist. Ich war manchmal eher zaudernd, wobei wahrscheinlich die Kombination den Erfolg ausgemacht hat. Und natürlich war es ein Vorteil, dass alles privat finanziert war. Wir mussten also, um uns zu finanzieren, nicht lähmende Entscheidungswege durch allerlei Instanzen gehen, wir sind schließlich kein sozioökonomischer Betrieb, sondern ein klassisches Social Business mit Gewinnabsicht. 

Etwa eine Million Euro von privaten UnterstützerInnen und Sponsoren steckt im Unternehmen. Hauptanteilseigner der Habibi & Hawara GmbH ist Martins Beteiligungsgesellschaft GoodShares, die in vor allem nachhaltige Unternehmen investiert ist. Mittlerweile haben wir unseren Break Even erreicht. Die Firma genießt wegen ihrem sozialen Engagement keine wie immer gearteten steuerlichen Vorteile, das muss auch nicht sein. Wir versuchen das Unternehmen so aufzustellen, dass es positiv bilanziert und sich selbst trägt. 

Offizieller Lehrbetrieb

2016 haben wir am Standort Wipplingerstraße mit rund 100 Sitzplätzen begonnen, heuer haben wir die benachbarte Pizzeria dazu genommen. Dadurch haben wir weitere 80 Plätze und sind vor allem endlich gut sichtbar geworden. 

Seit der Gründung arbeiten wir konstant mit 20 bis 22 Angestellten, mehr als die Hälfte mit Flucht- oder Migrationshintergrund, die wir zu Köchen und Restaurantfachleuten ausbilden. Wir sind seit Mai 2018 offizieller Lehrbetrieb und vor kurzem haben unsere ersten beiden Mitarbeiter ihre Lehrabschlussprüfung abgelegt.

Ein Profi für’s Kow-how

Uns war immer klar, dass die Qualität passen muss. Als Küchenchef haben wir daher mit Josef Pieringer einen ausgewiesenen Fachmann vom „Motto am Fluss“ zu uns ins Team geholt. Der hilft uns maßgeblich, aus der Vision ein funktionierendes, wachsendes Unternehmen zu machen. 

Neben dem Restaurant betreiben wir jetzt mit rasant wachsendem Erfolg auch ein Catering. Seit kurzem betreiben wir unseren Webshop mit Merchandising, die Produktpalette soll auch hier stetig wachsen.

Im Jänner 2019 beginnen wir mit unserem Lieferservice. So können wir die Message von Habibi & Hawara einem immer größeren Kundenkreis bekannt machen. Das ist ein ganz wichtiger Antrieb für uns: Wir wollen durch die persönliche Bekanntschaft mit Geflüchteten und dem Kennenlernen ihrer Fähigkeiten dazu beitragen, jene Vorurteile abzubauen, die die öffentliche Diskussion derzeit bestimmen. 

Franchise geplant

Im kommenden Herbst werden wir eine erste Filiale am Nordbahnhof-Gelände eröffnen. Sie soll der Prototyp für das geplante Franchise-System sein, mit dem das Projekt dann in die Breite gehen und seine Wirkung skalieren soll. Wir wollen weiterwachsen, einerseits mit Menschen, die wir hier im Habibi & Hawara ausgebildet haben, aber auch mit Franchisenehmern, die von außen kommen. Sie alle werden dann ein Training absolvieren müssen, in dem sie jene Erkenntnisse weitergereicht bekommen, die wir im Betrieb gesammelt haben. So soll das Konzept der Beschäftigung und Ausbildung von Geflüchteten möglichst effektiv weiterverbreitet werden, durchaus auch mit bereits am Markt vertretenen Playern die gewillt sind, soziale Verantwortung zu übernehmen und denen wir mit unseren Erfahrungen diesbezüglich auf die Sprünge helfen können.

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Verantwortung mit Gewinn

Schließlich muss auch ein Social Business am Ende Gewinn abwerfen. Denn wir wollen nicht nur den selbst auferlegten Auftrag erfüllen, die unbestimmte, unterschwellige Angst vor dem und den Fremden abzubauen. Wir wollen auch Geflüchteten die Möglichkeit eröffnen, in ihrer neuen Heimat als UnternehmerInnen aktiv und erfolgreich an der Gesellschaft teilzunehmen. 

Wir beobachten immer wieder, dass bei den so genannten Einheimischen die Erfahrung, dass sie von gastfreundlichen, fleißigen, höflichen syrischen oder afghanischen Menschen neben ihrem Kalbsgulasch auch z.B. Falafel serviert bekommen, positive Emotionen auslöst. Und nachdem die negative Stimmung in erster Linie Gefühlen und nicht Fakten geschuldet ist, sehen wir es als effektivste Möglichkeit, ihr mit positiven Emotionen zu begegnen. Wenn dann die negativen Vorurteile ein wenig abgebaut sind, können wir mit dem in unserer gewinnorientierten Welt allerwichtigsten Argument punkten, wenn nämlich Habibi & Hawara erfolgreich bilanziert und so objektiv beweisbar ist, dass Geflüchtete einen substanziellen Beitrag zu unserer Wirtschaft leisten können!

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