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So geht selbständig.

Der Ali Barber-Shop vereint das Flair eines englischen Clubs mit einem Hauch orientalischer Gastfreundschaft: Mit diesem Konzept setzt sich der gebürtige Libanese Ali Kabalan von seiner Konkurrenz ab. Dahinter stecken Traditionsbewusstsein,  internationale Erfahrung und viel Freude am Beruf.

Weg aus Beirut

Mit 12 Jahren, 1990, bin ich mit meinen Eltern aus einer kleinen Stadt nördlich von Beirut nach Wien gekommen. Meine Eltern fanden damals, der Libanon sei kein sicherer Ort für eine Familie, es war die Zeit des Bürgerkriegs, oft waren die Schulen wegen Unruhen geschlossen. Österreich hat uns damals aufgenommen und wir haben hier ein neues Leben angefangen.

So kam es, dass ich in Wien zur Schule gegangen bin. Meine Eltern hatten einen libanesischen Freund, der im 21. Bezirk einen Friseursalon betrieb, so wurde ich Friseur. Eine Zeit lang habe ich auch am Wifi unterrichtet. Nebenbei habe ich Kampfsport betrieben und auch als Trainer gearbeitet.

Rückkehr in die alte Heimat

1999 habe ich eine Österreicherin geheiratet, 2006 bin ich mit meiner Familie zurück in den Libanon gezogen, meine Kinder sollten auch ihre andere Heimat kennen lernen, und wirtschaftlich gab es dort damals interessante Möglichkeiten. Ich habe drei Kampfkunstschulen geleitet und unter anderem auch die libanesische Polizei trainiert. Und um die Familie sicher ernähren zu können, immer auch als Friseur gearbeitet. Zunächst hatte ich einen eigenen Friseurladen, später habe ich in Beirut als Geschäftsführer gearbeitet. 

2011 ist der Krieg in Syrien ausgebrochen ist, das hat auch zu Unruhen im Libanon geführt. Und diesmal war es meine Frau, die gemeint hat, das wäre nun kein geeignetes Umfeld, um unsere beiden Kinder großzuziehen.

Neustart in Wien

2014 sind wir also wieder nach Wien gekommen, und ich musste mir überlegen, wie ich nun die Familie erhalten könnte. Ich begann also wieder ein bisschen als Kampfkunsttrainer zu arbeiten – und daneben bei namhaften Friseuren. 

In Wien kamen damals die Hipster und mit ihnen der Trend zur gepflegten Männlichkeit auf. Und ich wurde rasch zum Bart-Spezialisten. Denn im Libanon ist der Bart ja nie aus dem Mode gekommen. Ich hatte also jede Menge Erfahrung mit Bärten, und die wurde in Wien durchaus geschätzt. 

Und so kam der nächste logische Schritt: das eigene Geschäft. Ich wollte etwas aufbauen, wo ich alles, was ich in Wien und im Libanon kennen gelernt hatte – die Technik und die südländische Gastfreundschaft – zu einem Ganzen vereinen konnte.

Gleichberechtigung für Männer

Was mich immer schon gestört hat: Das Angebot für Männer ist immer karger als das für Frauen, sei es bei Schuhen, Kleidung, Kosmetik, oder eben auch beim Service beim Friseur. Klar, Frauen legen mehr Wert darauf, wenden mehr Zeit auf. Aber genau das ändert sich gerade. Mittlerweile machen Frauen Karriere und verdienen Geld – und ich glaube, deswegen haben Männer jetzt mehr Zeit, sich um ihr Äußeres zu kümmern. Jedenfalls tun sie es. Auch ein Mann geht selbstverständlich regelmäßig zum Friseur, seit ein paar Jahren auch wieder zum Barbier. Und weil er dort jetzt mehr Zeit verbringt, war meine Idee, auch ein ansprechendes Umfeld zu schaffen.

Der Bartsalon als Club

Im Lokal, das ich schließlich gefunden habe, gab es bereits einen Friseurladen. Aber eigentlich standen da nur zwei Stühle, Spiegel, Licht – alles sehr nüchtern. Mir hingegen schwebte immer eine Art Club vor, Ledersofas, Billardtisch, angenehmes Licht, Fotos von stilbildenden Männern an den Wänden. 

Ich wollte, dass Kunden auch spontan hereinkommen können, nicht nur nach Terminabsprache. Sie müssten dann vielleicht ein bisschen warten, das sollte aber möglichst entspannt ablaufen. Deshalb gibt es bei mir auch erst einmal die Frage nach einem Getränkewunsch. Tee, Café, Erfrischungen – so wird der Friseurbesuch von der reinen Dienstleistung zur angenehmen Unterbrechung des Arbeitstages, manchmal kommen auch die Partnerinnen mit und genießen die Atmosphäre.

Aufmerksamer Gastgeber

Ich habe schon immer Wert auf das Feedback meiner Kunden gelegt, die diversen Foren, die es mittlerweile gibt, erweitern die Möglichkeiten dafür. Ich lese jede einzelne Bewertung meines Salons und beantworte sie auch. Daher weiß ich auch, dass es die Atmosphäre ist, die die Kunden schätzen. Und meine Person als Gastgeber. Das liegt wohl auch am Respekt, den ich meinen Kunden entgegen bringe. 

Meine Kunden nehmen sich Zeit für einen Besuch bei mir, also nehme ich mir die angemessene Zeit für sie. Das hat vielleicht auch etwas mit meiner Herkunft zu tun. Respekt ist im Nahen Osten eine wichtige Währung. Dementsprechend zahlreich ist meine Stammkundschaft – und bunt gemischt: Von den arrivierten Selbständigen bis zu  den modebewussten Youngsters – egal woher, wir behandeln alle gleich. Da hilft natürlich auch, dass ich Deutsch, English, Französisch, Spanisch und Arabisch spreche, meine Barbiere auch noch Türkisch und eine ganze Menge andere Sprachen.

Persönliche Medienarbeit

Das Konzept kommt offenbar an. Wir werden immer wieder in Mode-, Männer- und Stadtzeitschriften und im Regionalfernsehen, erwähnt – vielleicht wegen meiner extrovertierten Art als Gastgeber und wegen dem Ambiente. Barber-Shops sind in den letzten Jahren ja ziemlich hip geworden. Und obwohl ich nicht der erste war, werden Fotos von meinem Shop immer wieder als Aufmacher für Artikel zum Thema gebracht. 

Es ist wohl die Atmosphäre, die potentielle Kunden neugierig macht. Sie schauen spontan rein und lassen sich vielleicht auch gleich den Bart trimmen. Auf meiner Homepage mache ich ausdrücklich auf das „walk-in-service“ – das heißt ohne vorherige Terminvereinbarung – aufmerksam. Meine Erfahrung: Männer wollen sich nicht unbedingt tagelang im Vorhinein einen Termin beim Friseur ausmachen.

Flexibilität dank cleverem Teambuilding

Damit das klappt, muss natürlich auch jemand da sein, der sich um die spontanen Kunden kümmert. Angefangen habe ich ganz alleine. Aber ich habe schon bald eine Bekannte gefragt, ob sie bei mir an der Rezeption arbeiten möchte. Sie hat das Telefon und die Terminkoordination übernommen und das Rechnungswesen, damit ich mich um die Kundschaft kümmern konnte. Nach ein paar Monaten habe ich den ersten Barbier angestellt. Mittlerweile arbeiten unter der Woche drei, am Samstag arbeiten zwei weitere  Angestellte bei mir. Donnerstag und Freitag Nachmittag sowie der Samstag sind die mit Abstand stärksten Zeiten im Friseurbusiness.

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Respekt und Teamgeist

Langsam kann ich es mir leisten, ein bisschen weniger zu arbeiten und mich mehr um meine Familie kümmern. Was die Preise anlangt, versuche ich generell, ganz knapp unter vergleichbaren Barbershops in der Umgebung zu bleiben, einen Haarschnitt gibt’s bei uns ab 33, der English Beard-Trim kommt auf 25 Euro. So kann ich auch preisbewusste Neukunden auf mich aufmerksam machen und die Auslastung sicherstellen, die ich brauche. Ich muss ja ein entsprechendes Team beschäftigen, um das walk-in-concept in der mir wichtigen Qualität durchziehen zu können.

Wenn ein Kunde dann einmal da ist, behandle ich ihn so, wie ich selbst gerne behandelt werden möchte: als einzigartig. Dazu bekommt er Top-Leistung: einen hervorragenden Beard-Trim oder Haarschnitt – und geht mit einem Lächeln hinaus. Das merkt er sich und kommt wieder. Eigentlich ein ganz einfaches Konzept, Ehrlichkeit mit Proffessionalität verbinden ist meine Devise!

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