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So geht selbständig.

Zwei Freunde, einer in der Heimat, einer schon in Wien, haben den Griechen Damianos Filippidis auf die Idee gebracht, das Beste an Genussmitteln nach Österreich zu bringen. Seine schlanke Import Firma „Divine Tastes“ wird an der Open University in Patras mittlerweile als Beispiel für ein erfolgreiches Start-up ohne großes Kapital präsentiert.

Kleine Markstudie

Als ich im Februar 2016 nach Wien reiste, um einen alten Freund zu besuchen, gab mir ein anderer eine Flasche seines wirklich hervorragenden Olivenöls mit und ersuchte mich, zu schauen, ob ich dafür eine Absatzmöglichkeit finden könnte. Ich habe mich also ein wenig erkundigt und erfahren, dass die Österreicher durchaus interessiert an griechischen Produkten sind. Vom „Divine Oliveoil“ meines Freundes waren sie sowieso sofort begeistert.

Das habe ich ihm berichtet, und wir haben überlegt, wie man sein Öl hier vertreiben könnte. Mir ist aber auch aufgefallen, dass man in Wien fast nur industriell produzierte griechische Lebensmittel findet – die wirklich feinen, handwerklich hergestellten Sachen hingegen nicht. Das hat mich erst überrascht, war dann aber ein Argument für das Geschäftsmodell „Import hochklassiger Produkte“.

Import von Genusskultur

Die Idee „Divine Tastes“ – göttlichen griechischen Geschmack – nach Wien zu bringen, ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Wien hat mir auch gefallen, also habe ich beschlossen, zu versuchen,  einen Import zu starten. Zunächst musste ich Produkte auswählen, Produzenten ansprechen und mich ihrer Kooperation versichern. Zwei große Lebensmittelmessen in Athen und Saloniki waren dafür hervorragend geeignet. Ich wollte vor allem sicherstellen, dass jene exklusiven Produkte, die ich zu importieren beabsichtigte, auch exklusiv von mir angeboten würden. Bis auf eine kleine Ausnahme hat das bislang auch funktioniert.

Know-how vom griechischen Mentor

Als nächsten Schritt musste ich einen Business Plan erstellen. Das hat mir schon mehr Kopfzerbrechen bereitet. Ich habe zwar seit der Schulzeit im Reisebüro meiner Familie in Veria in Nordgriechenland mitgearbeitet, aber nichts studiert, was mir die für eine Firmengründung nötigen Instrumente vermittelt hätte. Also habe ich mich in Griechenland diesbezüglich ein wenig weitergebildet und bin so auf eine Institution namens KEMEL gestoßen. Das ist ein Verein griechischer Spitzenmanager, die sich auf freiwilliger Basis um Start-ups kümmern.

Ich habe dort meine Idee präsentiert, und man stellte mir Charalambos Liapis als Mentor zur Seite. Der hat als Direktor bei Folli Follie, einem weltweit agierenden griechischen Bijouterie-Unternehmen internationale Erfahrung und als ehemaliger Direktor von Creta Farms kennt er sich auch mit Genussmitteln aus. Als Vortragender an der Wirtschaftsuniversität in Athen kann er Wissen gut vermitteln.

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Abseits vom Retsina

Mein Mentor hat mir also beim Businessplan geholfen, eine Rentabilitätsstudie angeregt und uns zu einer Marktanalyse veranlasst. Und so bin ich mit einer Reihe von Kostproben wieder nach Wien, habe Feinkostläden und Restaurants abgeklappert, den Markt sondiert – und darüber hinaus auch eine nicht unwichtige Detailinformation erhalten, nämlich: Die Österreicher sind die fleißigsten Weintrinker Europas!

Ich musste also unbedingt mein Sortiment um Weine erweitern. Womit ich ein weiteres griechisches Produkt im Portefeuille habe, das im Ausland viel zu wenig bekannt ist. Denn abgesehen vom berühmten Retsina produziert Griechenland schon längst auch ausgezeichnete Spitzenweine, die allerdings hauptsächlich nach London, New York, Hongkong oder andere High End-Märkte exportiert werden. Und seit 2017 eben auch nach Wien.

Repräsentativer Start

Natürlich musste ich mich erst schlau machen, wie man in Österreich eine Firma gründet. Ich habe mich bei der Wirtschaftskammer erkundigt, ein Einzelunternehmen gegründet, eine Bank und ein Büro gefunden – natürlich an einer guten Adresse, wir verkaufen schließlich den kleinen alltäglichen Luxus.

Ich habe mich für eine flexible Lösung in einem Business-Center entschieden. So halte ich die Kosten niedrig und kann trotzdem jederzeit über repräsentative Konferenzräume verfügen, etwa wenn wir ein Wine-Tasting veranstalten. Immerhin zielen wir auf die besten Kunden: exquisite Delikatessenhändler, Fünfsternhotels und die Spitzengastronomie.

Am 31. Mai 2017 habe ich im Hotel Le Meridien eine Kochshow veranstaltet, das war der Startschuss für das Wiener Unternehmen.

Lean Logistics

Um die Kosten niedrig zu halten haben wir auch – noch – kein eigenes Lager in Österreich. Unsere Spedition in Griechenland erlaubt uns, Waren bis zu einem Monat vor dem Versand bei ihnen unterzustellen. Dorthin liefern meine Produzenten, und ich beauftrage dann je nach Auftragslage die Spedition mit der Lieferung nach Wien. Idealerweise geschieht das jeweils, wenn eine Palette voll ist, die geht dann innerhalb von 48 Stunden in ein Lager nach Wien, wo ich die Waren wiederum innerhalb eines bestimmten Zeitraums abholen muss.

Papierkram ist für den Binnenhandel in Europa kein Thema. Meine Lieferanten müssen lediglich alle EU-Auflagen bezüglich der Kennzeichnungspflicht erfüllen, das ist inzwischen aber bei exportorientierten Unternehmen ohnehin schon selbstverständlich.

Geringer Finanzierungsbedarf

Ich miete dann einen kleinen Lieferwagen, hole die Ware und liefere sie selber an meine Kunden aus. So erspare ich mir die Ausgaben für ein Lager in Wien, schließlich muss ich alle Kosten aus dem Gewinn unseres Reisebüros in Griechenland bedienen.

Weil die Kunden schon bei der Bestellung zahlen, kann ich die Lieferanten auch sofort bezahlen – ich hatte also vom Start weg einen sehr geringen Finanzierungsbedarf. Diese Konstruktion trägt Charalambos Liapsis übrigens auch gerne als Beispiel für ein fast investitionsfreies Start-up in seiner Klasse vor. Aus den Arbeiten, die seine Studenten darüber schreiben, kann ich dann wieder etwas lernen.

Gesundes Wachstum

Ich bin schon gespannt, wie die Bilanz unseres ersten Geschäftsjahrs aussehen wird. In den ersten sechs Monaten haben wir 12.000 Euro umgesetzt. Das Geschäft haben wir hauptsächlich mit ausgesuchten Restaurants oder, um Privatkunden direkt zu erreichen, feinen Delikatessenläden wie etwa dem „Rosmarin“ in der Barnabittengasse und ähnlichen Spezialgeschäften gemacht.

Ende vergangenen Jahres konnten wir einen Vertrag mit dem Commissary, dem Supermarkt der UNO City für die internationalen Mitarbeiter abschließen. Das steigert den Umsatz kräftig und schafft uns den Spielraum, den nächsten Wachstumsschritt aus dem Cash Flow zu finanzieren: In den nächsten Wochen wollen wir die Einkäufer wichtiger Unternehmen zu Präsentationen und umfangreichen Verkostungen einladen. Wir sind sicher, dass unsere Produkte überzeugen.

Aber davor schauen wir uns auf den Messen in Thessaloniki und Athen um. Da werden wieder jede Menge feiner griechischer Waren präsentiert – die Krise hat meine Landsleute nämlich im Endeffekt ordentlich beflügelt!

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