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So geht selbständig.

In die Welt der Mode wurde Ronja Scherzinger praktisch hineingeboren: Ihre Kindheit hat sie im Kaufhaus ihres Urgroßvaters in Süddeutschland verbracht. Doch dann wanderten die Käufer in Richtung Netz und ihre Familie nach Kärnten ab, und Ronja Scherzinger studierte Publizistik. Das Interesse für Mode und Handel aber ist ihr geblieben. Und so hat sie neben ihrem Job als redaktionelle Mitarbeiterin im ORF die Entwicklung der Website FashionTouri gestartet, die interessierten Reisenden den Weg zu lokalen Designern und deren Boutiquen zeigen soll.

Kinderstube Kaufhaus

Ich bin quasi im Kaufhaus aufgewachsen. Wir haben über einem der vier Kaufhäuser meines Urgroßvaters in Baden-Württemberg gewohnt, meine Mutter hat in den unteren Stockwerken als Verkäuferin gearbeitet, und wann immer ich Lust hatte, war ich im Laden unterwegs. So habe ich von klein auf mitbekommen, wie man mit Kunden umgeht, sie berät, verkauft. Und auch ich habe alle Kunden namentlich begrüßt, ihnen erzählt, was gerade neu eingetroffen ist, so lange, bis mich meine Mutter wieder hochgeschickt hat. Ich war jedenfalls von der Modewelt total fasziniert.

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Handel im Wandel

Rund um das Jahr 2000 hat sich der Handel aber völlig verändert, das Online-Geschäft wurde immer wichtiger, die ältere Generation entschied sich entschlossen gegen diesen Schritt. In dritter Generation mussten die Geschäfte eingestellt werden.

Wir sind nach Kärnten gezogen und starteten einen Neuanfang. Nach der Matura in Kärnten habe ich in Wien und in Schweden Publizistik studiert und habe schließlich einen Job beim ORF in der „Universum“-Redaktion gefunden. Das dort verdiente Geld habe ich – wo möglich – in Reisen investiert. In den letzten sieben Jahren habe ich über 30 Länder und über 150 Städte besucht. Und wie viele Reisende lasse ich mich vor Ort gerne von der Mode- und Designszene inspirieren, nehme Souvenirs in Form von Mode-und Designteilen mit.

Reisen und Shoppen

Im Aufstöbern von Besonderem habe ich Übung: Als Kind bin regelmäßig mit meiner Großmutter, die meinem Vater einst das Kaufhaus vererbt hatte, auf Schiffsreisen gegangen. Sie wusste immer ganz genau, was sie wo sehen wollte. Man hat ja nicht viel Zeit an Land, und wir mussten Sightseeing und meine Shopping-Leidenschaft quasi unter einen Hut bringen. Das hat uns oft in stressige Situationen gebracht.

Auch heute informiere ich mich schon vor der Abreise, um dann vor Ort schnell die richtigen Adressen und interessante lokale Läden zu finden. Da bin ich sehr gründlich. Im Zuge meiner Recherche für FashionTouri beginne ich mit meiner Befragung manchmal sogar schon im Flugzeug. Tipps von Einheimischen bringen mich dann oft in Gegenden, die ich ohne ihre Hinweise nie gefunden hätte.

Es ist ja leider so, dass an den bekannten Einkaufsstraßen und in den großen Shopping Malls die internationalen Ketten und Labels dominieren und man überall auf der Welt hauptsächlich Mode findet, die man zu Hause auch kaufen kann. Lokale Designer sind meist versteckt. Aber genau die sind spannend!

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Das Passende finden

Die Idee zu meiner Plattform hatte ich dann, als mich eine Freundin, die nach Wien zu Besuch kam, gefragt hat, wo sie denn einen schönen, speziellen Rucksack finden könnte, den sie zu Hause nicht kaufen kann. Mir fiel beim besten Willen kein Shop ein, und plötzlich ging mir auf, dass man sogar in einer Stadt, in der man seit Jahren wohnt, nicht alles kennt. Das war dann der ausschlaggebende Impuls: Ich wollte diese Informationen finden, bündeln und zugänglich machen. Und zwar nicht nur Ausgewähltes für Fashionistas. Ich wollte eine breitere Lösung finden, wo für alle  etwas dabei ist.

Inspiration aus der Reisebranche

Inspiriert hat mich die Reisebranche. Ich selber nutze mit Begeisterung booking.com, dort kann ich mir mein Hotel genau nach meinen Vorgaben aussuchen. Natürlich kann man auch in den Sozialen Medien etwas finden, aber da entscheiden undurchschaubare Algorithmen darüber, was du zu sehen bekommst, während Seiten wie booking.com dich weitgehend selbst die Parameter festlegen lassen.

Gerade bei Bekleidung finde ich wichtig, dass man selbst über seinen Stil entscheiden kann, und FashionTouri ist so angelegt, das man selbst filtern kann, was man sehen will.

Nutzen für die gesamte Branche

Relativ schnell ist mir dann klar geworden, dass die Plattform nicht nur für Käufer sondern auch für Verkäufer und überhaupt für die ganze Fashion Community interessant ist. Die Plattform soll daher mehr als nur Adressen vermitteln, sie soll auch Hintergrundinformationen und Veranstaltungstipps geben. FashionTouri soll das erste soziale Netzwerk für Mode- und Designbegeisterte werden, die gerne auf Reisen sind.

Marktforschung an der Basis

Ich hatte also eine Idee – aber keine Ahnung, wo ich beginnen sollte. Ich habe ja weder Wirtschaft noch Informatik studiert. Also habe ich einfach mit dem begonnen, was mir naheliegend erschien:

Ich habe mir die Domains fashiontouri.com und fashiontouri.at gesichert, alles zum Thema lokaler Mode- und Designindustrie gelesen, was ich finden konnte und ein Logo entwickelt.

Dann habe ich in Wien Boutiquen und Designer Outlets abgeklappert und bin auf Modemessen gepilgert um erstes Feedback einzuholen. Gleichzeitig habe ich recherchiert, was potentielle Nutzer interessieren könnte und habe auf der Mariahilfer Straße in Wien Touristinnen nach ihrem Konsumverhalten befragt.

Professionelle Unterstützung

Glücklicherweise habe ich einen Mentor im weiteren Familienkreis. Er leitet in Pforzheim ein großes Unternehmen für digitale Marketingkommunikation und IT-gestützte Omnichannel-Medienproduktionen. Er hat mir viel wertvolles Feedback gegeben, das ist in der Startphase Gold wert.

Ich habe auch recherchiert, was es In Österreich für Jungunternehmen gibt und habe ein sehr breites Angebot gefunden. Fast täglich gibt es irgendwelche Veranstaltungen, Wien entwickelt sich zu einem wichtigen Start-up-Zentrum in Europa. Es ist sehr spannend, wenn man die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich beobachtet.

Generell ist es wichtig, ein Netzwerk aufzubauen, das einem in den verschiedensten Bereichen weiterhelfen kann. Man muss möglichst viel Input einholen und vor allem auch konstruktive Kritik annehmen, nur so kann man etwas dazulernen und seine Idee erfolgreich weiterverfolgen.

Konzentration auf das Wesentliche

Bald habe ich aber auch gemerkt, dass es wichtig ist, genau abzuwägen, welche Veranstaltung einem zum aktuellen Zeitpunkt etwas bringt und welche nicht, Stichwort: Ressourcenmanagement! Letztlich geht es nicht um „Start-up-Event-Hopping“, sondern darum, sein Projekt weiterzubringen.

Als erstes habe ich Austrian Startups kontaktiert, die mich wiederum an Female Founders weitergeleitet haben. Das ist eine Organisation, die Frauen in der Start-up-Welt mit Mentoring-Programmen, Events und Vernetzung unterstützt. Über dieses Netzwerk bin ich auch auf die Women Start-up-Competition aufmerksam geworden.

Im März 2017 gewannen wir das Semifinale des Europäischen Women Start-up-Bewerbes und zogen als eines der zwölf besten Projekte Europas nach London für Österreich ins Finale. Während dem einwöchigen Bootcamp arbeiteten wir detailliert mit Expertinnen aus unterschiedlichsten Bereichen an unserem Projekt.

Am 01. Juli 2017 wurden wir mit FashionTouri mit dem „Crowdfunding Price“ bei der „Women Startup Competition“ ausgezeichnet. Unser erster Award auf internationalem Level – ein schönes Signal an potentielle Investoren.

Das wichtigste ist das Team

Relativ früh bin ich d'raufgekommen, dass ich das Projekt allein nicht umsetzen kann, ich brauchte ein Team. Und ich habe gelernt: Es ist gar nicht so leicht, Menschen zu begeistern, wenn es keine hundertprozentige Garantie gibt, dass das Projekt funktioniert und ohne dass die Finanzierung steht. Über eine gemeinsame Leidenschaft kann man aber bereits sehr viel bewirken und Menschen erreichen, die ebenso das Potential in dem Projekt sehen und den Glauben nicht aufgeben, es in die Realität umzusetzen.

Ein gutes Team mit vielfältigen Kompetenzen, das sich gegenseitig unterstützt und motiviert, ist der Schlüssel zum Erfolg! Einzelkämpfer haben in der Start-up-Welt keine Chance.

Über eine Bekannte habe ich schließlich Matthias, unseren CTO kennengelernt. Er war von meinem Projekt genau so begeistert, wie ich. Ende Februar 2017 konnten wir mit der Arbeit starten. Seit Juli 2017 ist unsere Landingpage online. Demnächst gibt es Blog-Einträge über die und von der lokalen Mode- und Designszene, sowie weltweite Veranstaltungs-Tipps.

Die richtigen Mitarbeiter

Meine Teammitglieder habe ich unter anderem in meinem Freundeskreis gefunden. Zudem habe ich eine weitere Teamkollegin über unseren CTO kennengelernt.

Mittlerweile sind wir zu viert unterwegs, neben Wien auch in Kopenhagen, London und Berlin. Wir recherchieren vor allem vor Ort, wir fragen durchaus auch wildfremde Menschen, die uns interessant erscheinen: „Where do you shop?“. So kommen wir oft in Viertel, die in keinem Guide auftauchen. Oder wenn, dann erst in ein paar Jahren.

Die Finanzierung

Auf Förderungen darf man sich nicht verlassen. Bisher haben wir um zwei Förderungen angefragt. Bei der AWS waren wir in der zweiten Runde von über 100 Projekten unter den letzten 38, aber leider haben wir beide Male eine Absage bekommen. Was bisher passiert ist, habe ich mit Erspartem finanziert, von meinem aktuellen Gehalt und mit finanzieller Unterstützung meiner Familie.

Der Businessplan entwickelt sich ständig weiter. Viele Inhalte sind dazugekommen, da man sich immer mehr mit dem Thema auseinandersetzt und das gewonnene Feedback einbaut. Wir haben jetzt zum Beispiel ein „Fremium-Modell“ entwickelt, das es DesignerInnen ermöglicht, auch ohne finanziellen Einsatz auf unserer Website präsent zu sein – vorausgesetzt sie entsprechen unseren Kriterien und den Qualitätsstandards. So generieren wir von Beginn an mehr Content.

Internationale Kontaktsuche

Ich arbeite nach wie vor noch für 30 Wochenstunden beim ORF, das funktioniert nur, weil ich die beiden Bereiche strikt trenne, aber es ist keine einfache Situation. Ende dieses Jahres nehme ich mir eine Auszeit von meinem Job und gehe für ein Jahr in Bildungskarenz. Ich will eine Ausbildung für Online-Medienmanagement machen.

Im Oktober fliege ich mit unserer Redakteurin Judith Mach zur Phoenix-Fashion-Week, der drittgrößten Fashion-Week in den USA. Wir wurden als weltweit einziges Start-up eingeladen, dort einen Vortrag zu halten. Und wir werden FashionTouri präsentieren.

Die passenden Investoren

Vordringlich geht es jetzt natürlich darum, Investoren und Inverstorinnen zu finden. Wir suchen aber nicht einfach nur jemanden, der Geld hinein steckt, sondern einen echten Geschäftspartner mit dem nötigen Know-how.

Und parallel dazu entwickeln wir die zukünftige Website weiter, erstellen Inhalte für unseren FashionTouri-Blog und bauen das internationale Kundennetzwerk aus. Wenn wir dann endlich operativ sind, wollen wir einerseits möglichst viele Anbieter auf unserer Plattform haben, daher wird die Basis-Mitgliedschaft, um auf der Seite vertreten zu sein, sehr günstig sein.

Die wirklich interessanten Features, die wir planen und teilweise schon entwickelt haben, werden aber kostenpflichtig sein. Dann führt einen das Handy über eine App beispielsweise direkt zu jenen DesignerInnen, die besonders gut zu den persönlichen Vorlieben passen. Oder es verständigt den Nutzer über besondere Aktionen und leitet ihn auch gleich auf die Homepage des Anbieters. Im Idealfall aber immer noch ins Geschäft, schließlich wollen unsere idealen Nutzer ja auf ihrer Reise etwas erleben!

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