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So geht selbständig.

Social Media: Wann das „Du“ angebracht ist – und wann nicht

Auf Facebook, Instagram und Co ist der Ton locker, man ist oft per Du. Aber passt das auch immer? Und wie ist das auf LinkedIn oder Xing? So vermeiden Sie Peinlichkeiten.

Auf LinkedIn oder Xing scheint alles klar: Man tauscht keine Kochrezepte aus, man postet auch keine Katzenbilder sondern knüpft geschäftliche Kontakte. Anders auf „privaten“ Kanälen wie Facebook oder Instagram, aber auch in vielen Foren: Der Ton ist meist ungezwungen und privat, die meisten User duzen einander. Die Grenzen zwischen Privatem und Business verschwimmen oft, und nicht selten taucht dann die Frage auf: Ist das „Du“ auch angebracht? Klingt das „Sie“ zu spießig? Und: Was, wenn ich jemanden, den ich auf Facebook oder einem Forum geduzt habe, dann im „echten Leben“ treffe?

Gehen wir diesen Fragen doch einmal auf den Grund!

„Du“ oder „Sie“ – eine Frage von Vertrautheit und Distanz

Sich zu duzen empfinden viele Menschen als eine Form der Vertraulichkeit und Vertrautheit. Im Geschäftsleben unter gleichaltrigen Kollegen ist das „Du“ meist üblich, weil der Umgang ungezwungener und einfacher ist. Richtig ist auch, dass manchen Branchen lockerer mit dem „Du“ umgehen als andere. Und besonders in der Startup-Szene wird oft suggeriert, dass das „Sie“ ein altmodisches Relikt ist.

Doch einen möglichen zukünftigen Kunden würden wohl die wenigsten im analogen Leben beim Erstkontakt duzen. Ein „Sie“ schafft respektvolle Distanz und gewährt Diskretion. Das lockere „Du“ auf Social Media Kanälen kann auch nach hinten losgehen.

Was hat die Anrede mit Respekt zu tun?

Auf LinkedIn lese ich bisweilen Kommentare wie „Ich duze konsequent jeden, außer die Sachbearbeiterin beim Finanzamt“ oder „Wer mit mir ein Geschäft machen will, der wird geduzt, ob es ihm passt oder nicht, sonst ist er nicht mein Kunde“ oder „Respekt vor dem Anderen habe ich auch mit einem ,Du'“.

Natürlich kann sich jeder das Recht herausnehmen und entscheiden, mit wem er/sie arbeitet, wenn das Duzen eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit ist. Wer das von vornerein abklärt, hat die besseren Karten, weil gemeinsam entschieden wurde.

Und es stimmt auch, dass ein „Du“ sehr respektvoll sein kann – ebenso wie ein „Sie“ respektlos wirken kann. Doch jedenfalls ist es nicht respektvoll, jemanden, den man nicht kennt, im geschäftlichen Kontext einfach zu duzen, ihm das „Du“ quasi „auf's Aug zu drücken“.

Fragen Sie sich: Würden Sie die betreffende Person auch Face to Face duzen? Die Antwort bringt meist Klarheit.

Vom Kommentar zur PN

Meine Beobachtung: Für viele ist es ok, sich in den Kommentaren zu duzen, das kann auch Charme haben. Geht es jedoch etwa um Geschäftliches per PN, dann werden die meisten Menschen empfindlich und empfinden eine allzu flapsige Du-Ansprache als grenzüberschreitend.

Neulich erhielt ich via LinkedIn folgende Nachricht: „Hallo Elisabeth, wie geht es Dir in diesen turbulenten Zeiten? Ich möchte Dir hier kurz etwas vorstellen, das wohl jede Krise überstehen wird und allen Beteiligten dauerhaft satte Gewinne beschert.“

Ich antwortete: „Sehr geehrter Herr ... kennen wir uns, weil Sie mich duzen?“. Das mag für manche etwas zu streng wirken, aber wer mit mir ein Geschäft machen will, sollte die Grundregeln guten Benehmens kennen. Ich möchte gemeinsam entscheiden, wie wir einander begegnen und nicht, dass vom anderen darüber entschieden wird.

Vom „Du“ zum „Sie“, vom „Sie“ zum „Du“

Der feine Unterschied zwischen „Du“ und „Sie“ ist – bei aller vorgeblichen Lockerheit – heute immer noch von Bedeutung. Wer zum Beispiel auf Jobsuche ist und einen Headhunter oder einen Personalchef in der Direktnachricht duzt, kann seine Chancen auf den Job deutlich verringern. Was nicht heißt, dass es nicht auch lockere Headhunter und Personalchefs gibt. Aber: Sie kennen die Einstellung der Person, an die Sie sich wenden, nicht. Deshalb empfehle ich immer, mit dem „Sie“ zu starten und abzuwarten, wie es sich entwickelt.

Ein Marketer empfahl neulich auf LinkedIn den Satz „Ich gehe zum kooperativen ,Du' über!“ um vom „Sie" zum „Du" zu wechseln. Was ist an der Aussage kooperativ? Das ist eine einseitige Bevormundung, ohne gemeinsam zu entscheiden. Kooperativ heißt: „Wir entscheiden beide“ Empfehlenswerter wäre: „Passt es für Sie, dass wir das kooperative ,Du' verwenden?“

Wer bietet wem das „Du“ an?

Umgangsformen sind Teil des sozialen Spiels. Es mag altmodisch klingen, aber es gibt ungeschriebene Gesetze, die immer noch wirksam sind und regeln, wer wem das „Du“ anbietet. Vorab: Im Geschäftlichen ist es immer der Kunde und nie der Dienstleister oder Lieferant!

Generell gilt:

  • Der Ältere bietet es dem Jüngeren an.
  • Die Frau bietet es dem Mann an.
  • Der Ranghöhere bietet es dem Rangniederen an.
  • Der Kunde bietet es dem Mitarbeiter an.

Eine Möglichkeit, diese Regel zu brechen, ist zu signalisieren, dass Sie sie kennen. Etwa so: „Ich weiß, mir steht es nicht zu, aber ich würde mich freuen, zum ,Du' zu wechseln – aber es ist auch in Ordnung, wenn wir beim ,Sie' bleiben.“

Soweit die Theorie. In der Praxis ist es oft verwirrender.

Das Start-up-„Du"

Insbesondere in Start-ups scheinen geltende Regeln wie Hierarchien, Alter und Dienstjahre außer Kraft gesetzt. Das kann bei unterschiedlichen Generationen im Unternehmen zu Konflikten führen. Immanuel Kant definierte: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Was das in der Praxis bedeutet, muss immer wieder neu verhandelt werden.

Junge Unternehmen, die die Spielregeln verändern möchten, kommen nicht umhin, neue Spielregeln zu definieren, denn überall dort, wo scheinbar keine Regeln herrschen, gibt es viele Unsicherheiten.

  • Unterscheiden Sie zwischen interner und externer Ansprache: Es geht immer um Höflichkeit und Respekt gegenüber den Werten und Befindlichkeiten des Anderen.
  • Auch hier gelten die Grundregeln der Business-Etikette. Es mag üblich sein, einander im Unternehmen oder Co-Working-Space zu duzen – für neue Mitarbeiter, Fremde oder Neu-Kunden gilt dies keinesfalls!
  • Vereinbaren Sie gemeinsam, wie man sich im Geschäftlichen anspricht. Auch wenn es in Ihrem eigenen Unternehmen üblich ist, gebietet es die Höflichkeit!

TIPP: Haben Sie als Start-up einen Termin oder eine Korrespondenz mit einem Business Angel oder potentiellen Geldgeber, kann ein flapsiges „Du“ bei einem konservativen und hierarchisch denkenden Menschen die Bereitschaft zu investieren erheblich dämpfen. Es gibt viele Beispiele, wo fehlende Umgangsformen eine Zusammenarbeit unmöglich gemacht haben. Diese Unbedachtheit und Respektlosigkeit werden den Betreffenden selten kommuniziert, jedoch in Anekdoten wird immer wieder erzählt, warum eine Investition nicht zustande kam.

Fazit: „Wir sind ein Start-up und dürfen alle duzen“ ist leider ein Irrtum.

Das „Du“ als Teil der Corporate Identity

Es ist vollkommen in Ordnung, seine Kunden auf der Homepage oder den sozialen Medien in den Beiträgen oder Artikeln zu duzen. Das kann Teil der Corporate Identity sein. In der direkten Anrede per PN oder Mail sollt das Du wohlüberlegt sein.

Das „Du“ im internationalen Kontext

Zwischen zwei oder mehreren Sprachen zu wechseln gehört heute zum Business-Alltag – und führt oft zu Unsicherheiten.  Auch wenn Sie sich im Unternehmen siezen – sobald Sie auf LinkedIn, Meetings oder Konferenzen ins Englische wechseln, sprechen Sie einander mit „You“ und dem Vornamen an, keinesfalls mit dem Nachnamen. Das wäre für Englischsprachige befremdlich. Sobald Sie ins Deutsche wechseln, gilt wieder die „Sie“-Form mit dem Nachnamen.

Das englische „You“ verleitet so manche deutschsprachige, es automatisch in ein „Du“ zu übersetzen. Trotz der „Du“-Form im Englischen gibt es sehr wohl formelle Unterschiede. 

  • "Madam" oder "Sir" in der Ansprache signalisiert höfliche Distanz.
  • Die Ansprache mit dem Vornamen, wie sie auch beruflich oft üblich ist, ist nicht automatisch als Vertraulichkeit oder freundschaftliche Annäherung zu verstehen. 

#gerneperdu

#gerneperdu steht für einen Kulturwandel und für ein lockeres Miteinander. #gerneperdu wurde im August 2018 von Mitarbeitern der BMW Group in München ins Leben gerufen – und hat große Kreise gezogen.

Laut den Initiatoren hat sich durch konstruktive Rückmeldungen dann auch das englische Äquivalent #CallMeByMyFirstName ergeben. Es bedeutet, dass man denjenigen einfach duzen darf.

Sie finden #gerneperdu in E-Mail-Signaturen, auf Lanyards (Schlüsselbändern) und in den sozialen Medien. Damit signalisiert man, dass man die Hürde der „Sie“-Form schnell überwinden möchte und auf Augenhöhe ohne Hierarchie kommunizieren möchte. Man kann, muss jedoch nicht duzen. Das entscheidet jeder Einzelne. Es ist eine sehr angenehme Art und Weise das „Du“ anzubieten, ohne den anderen zu überrumpeln.

TIPP: Überlegen Sie genau, wo das Duzen angebracht ist und wo nicht. In hierarchisch geführten Unternehmen ist davon abzuraten, besonders wenn man sich in den sozialen Medien begegnet. Stellen Sie sich vor, Sie sind mit Ihrem CEO oder einem Kunden, mit dem Sie per Sie sind, auf LinkedIn verbunden und schreiben diesem #gerneperdu, das passt nicht und wirkt unprofessionell.

Fazit

Vieles ist lockerer geworden, das stimmt. Das verleitet dazu, Regeln der Höflichkeit und des respektvollen Umgangs außer Kraft zu setzen, ohne an die Werte des anderen zu denken. Tatsache ist: Viele ziehen es vor, sich zu duzen. Jedoch ebenso viele bevorzugen eine gewisse Distanz und möchten nicht mit jedem gleich per Du sein, egal wie alt jemand ist.

Überlegen Sie sehr genau, ob Sie duzen oder nicht, wenn Sie die Person nicht kennen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Netzwerken!

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