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So geht selbständig.

Der Friseur im Rollstuhl fällt auf, bleibt einem in Erinnerung. Seine Behinderung hat er schon früher als Chance begriffen. In Mailand hat er sie als Alleinstellungsmerkmal genutzt, um sich aus der Masse von Haarstylisten abzuheben und auf diesem schon für "normale" Menschen aufreibenden Parkett zu bestehen. Für jemanden wie ihn ist der Schritt in die Selbständigkeit zwingend, Hindernisse scheint er erst gar nicht als solche wahrzunehmen. Nur eines der vielen Dinge, die man sich von ihm abschauen kann.

Lektion 1: Die Situation akzeptieren

Bei meinem Unfall, den ich mir selbst zuzuschreiben habe, war ich gerade am Ende meines zweiten Lehrjahres. Mein Chef war sehr verständnisvoll und geduldig; ich war sicher, dass ich weitermachen würde, aber selbständig. Aber ich wusste immer schon, dass ich nicht vierzig Stunden im Salon stehen sondern in die Modeszene und freiberuflich arbeiten will. Also bin ich schnell ins Ausland gegangen.

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Lektion 2: Herausforderungen annehmen

Erst mal gleich nach Mailand, dem europäischen Hotspot. Dort hat zunächst gar nichts funktioniert, die Freundin, die mich ursprünglich begleiten wollte, hat kurzfristig abgesagt. Also bin ich alleine mit meinem alten Skoda hinuntergefahren, ohne die Sprache zu können und habe mir im Internet ein angeblich Rollstuhl-taugliches Hotel gesucht. Der Treppenlift war aber schon seit Jahren nicht mehr in Funktion, die Badezimmertüre selbst für meinen schmalen Rollstuhl zu eng, und die Italiener begegnen Allem, was sie nicht kennen, mit Angst, Ignoranz und Verdrängung.

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Auch von den Agenturen, die ich angeschrieben habe, bekam ich ablehnende Antworten, wenn ich meinen Rollstuhl erwähnt habe. Also habe ich jeweils einen Gegencheck gemacht: Die Fotos mit meine Arbeiten haben ihnen immer gefallen, aber wenn ich dann persönlich aufgetaucht bin, gab es immer irgend welche Einwände – meine Sachen seien zu kreativ, ich wäre in London besser aufgehoben. Wegzugehen hätte ich aber als Niederlage empfunden, ich habe dann doch noch eine Agentin gefunden, die mir sehr geholfen hat. Sie selbst hatte zwei dunkelhäutige Kinder adoptiert, worauf Kunden weggegangen seien. Sie hat mich dann mit den richtigen Menschen zusammengebracht. Ich war auch jeden Abend viel in der Szene unterwegs, und natürlich hat man sich an mich erinnert.

Lektion 3: Die eigenen Bedürfnisse respektieren

New York war da schon wesentlich einfacher, die Menschen dort nehmen einen Rollstuhlfahrer ganz selbstverständlich war, auch technisch gibt es weniger Probleme. Doch dann, anlässlich eines Besuchs in der Heimat, fragte mich meine Mutter, wie es mir ginge. Gut, sagte ich natürlich – aber ich habe nachzudenken begonnen. Und festgestellt, dass ich eigentlich gar nicht glücklich war. Ich war sehr stark vom Ehrgeiz getrieben. Alles, was ich tat, musste einen Grund haben. Ich habe nichts für mich selbst oder um seiner selbst Willen getan.

Zu der Zeit hat mich auch Hannes Trummer, mein jetziger Geschäftspartner im minusplus gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei ihm in Wien zu arbeiten. Eine schwierige Frage. Ich hatte damals gerade meine Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen für Amerika bekommen. Ich bin noch einmal für ein Monat nach New York zurück, um sicher zu sein, das Richtige zu tun. Und das war dann: eine Wohnung in Wien zu nehmen und mit Hannes ein Ausbildungskonzept zu erarbeiten.

Lektion 4: Ein konkretes Ziel formulieren

Ich hatte mir schon lange Gedanken gemacht, wie mein eigener Salon auszusehen hätte, und die Ausbildung war immer schon mein Steckenpferd. Ich wollte all das, was mir bei meiner eigenen Lehre negativ aufgefallen war, besser machen. Hannes und ich haben uns überlegt, welche Menschen wir in unserm Geschäft für Menschen gerne hätten, was wir ihnen beibringen wollen und wie mit unseren Mitarbeitern umgehen möchten. Und das haben wir dann gemeinsam umgesetzt. Der Name minusplus steht dabei für die Schritte, die es braucht, um die Balance, das Gleichgewicht in jedem Bereich zu erreichen. Und dann haben wir einfach aufgemacht.

Lektion 5: Den richtigen Platz finden - und barrierefrei machen

Ursprünglich wollten wir im zweiten Bezirk bleiben, aber dann hat uns ein gutre Bekannter, der in der Lindengasse ein Kindermodengeschäft hat, auf ein soeben frei gewordenes Lokal aufmerksam gemacht, das unseren Anforderungen entsprach. Ich wollte auch immer einen Mehrzweckraum wo kreative Dinge entstehen können beim Salon dabei haben. In der Kirchengasse gab es ein großes Souterrain, wo mein Studio Platz gefunden hat.

Natürlich mussten wir einen Treppenlift einbauen. Das Prozedere um an Förderungen dafür zu gelangen ist allerdings derart kompliziert, dass ich glaube, es geht eher darum, diese möglichst selten auszuzahlen. Um einen geförderten Treppenlift einbauen zu können, hätten wir wahnsinnig viel umbauen müssen. Irgendwann haben wir uns dann gesagt, zehntausend Euro mehr oder weniger für die Geschäftseinrichtung machen jetzt auch keinen Unterschied mehr. Wir sind so letzten Endes günstiger gefahren, als wenn wir alle Auflagen für die Förderung erfüllt hätten. Und die Eröffnung hätte sich zudem um Monate verzögert.

Überhaupt finde ich es eigenartig, dass ich mir von einem Beamten erklären lassen soll, was ein Rollstuhlfahrer für Bedürfnisse hat. Sicher gibt es im Alltag Behinderungen, etwa die Kante beim Eingang zu unserem Laden. Aber eine Rampe steht zu weit auf den Gehsteig vor, und den Sims abzutragen hätte ausgesprochen kostspielige Umbauten erfordert. Also sind wir de facto nicht Behindertengerecht. Aber für mich ist das kein Problem, also sollte es auch für andere Rollstuhlfahrer in Ordnung sein.

Auch eines der größten Hindernisse im Alltag – ein nach innen öffnende WC-Tür – lässt sich leicht aus dem Weg schaffen, indem man einfach die Scharniere außen anschlägt. Oder, so wie wir es hier gemacht haben, eine Schiebetür einbaut, die braucht generell weniger Platz. Noch einfacher war es, meinen unmittelbaren Arbeitsplatz anzupassen: Ich habe einfach die Säule vom Friseurstuhl abgeschnitten, den Spiegel tiefer gehängt – alles kein Problem!

Lektion 6: weiter denken

Wir haben mittlerweile unsere zweite Filiale in Wien eröffnet, ab Herbst bin ich auch einmal pro Woche in Graz, auch hier als minusplus. Bislang war ich dort nur auf Stuhlmiete tätig, aber unser Konzept ist aufgegangen. Auch was die Ausbildung anlangt läuft es so, wie ich es mir vorgestellt habe, als ich vor sechs Jahren in Österreich sesshaft geworden bin!

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