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So geht selbständig.

Die Ausbildung zum Mechaniker hat Alwin Kasberger aus eher egoistischen Motiven begonnen: Ihm lag mehr am Rennen-Fahren, als am Schrauben. Doch so kam er zu einem Beruf – und mit der Konzentration auf eine lukrative Nische stellte sich auch der Erfolg für seine Motorrad-Maßwerkstatt ein.

Vielfältige Erfahrungen

Ich bin am Traunsee in Oberösterreich aufgewachsen und dort in die Schule gegangen. Als ich siebzehn Jahre alt war, ist die Familie nach Wien umgezogen und ich habe die verschiedensten Jobs angenommen, vom Möbelpacker über Security bis zum Bühnenbau. Irgendwann begann ich bei der Motorrad-Spezialwerkstatt Firma Cyclerep als Aushilfe zu arbeiten. Einerseits natürlich, um Geld zu verdienen, vor allem aber weil ich die Motorräder, mit denen ich Rennen fuhr, so kostengünstig selbst warten, reparieren und verbessern konnte. Die beiden Eigentümer waren Werkzeugmacher und Maschinenbauer, also keine gelernten Mechaniker, dafür umso kreativer und pragmatischer bei der Suche nach Lösungen.

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Atypische Ausbildung

Ich habe von den beiden also alles gelernt, was man als Mechaniker braucht, weil sie aber keine Meister mit Ausbilderprüfung waren, habe ich den Lehrabschluss extern abgelegt. Ich habe noch eine Zeit lang bei Cyclerep gearbeitet, als die Firma dann aber nach Niederösterreich umzog, bin ich nicht mitgegangen. Ich wollte nicht jeden Tag zwei Stunden pendeln. Dafür war ich dann eine Saison bei einem Ducati- und Triumph-Händler in Wien angestellt und habe so quasi auch den ganz banalen Mechaniker-Alltag kennen gelernt.

Engagierter Kursleiter

Schon bei der Vorbereitung auf die Lehrabschlussprüfung hat mir der Kursleiter Manfred Zalesak – in der Branche ist er jedem ein Begriff – geraten, auch die Meisterprüfung zu machen. Ich hielt das anfangs für eine hervorragende Idee. Später, als mir bewusst wurde, welche finanzielle Belastung da auf mich zukommt, hat die Begeisterung etwas nachgelassen. Der Kurs hat damals über 4.000 Euro gekostet, dazu kamen noch die Unternehmerprüfung und ein paar andere Dinge, alles in allem kam ich auf Kosten von fast 10.000 Euro.

Partnerschaftliche Startfinanzierung

Ich hatte damals schon vor, mich selbstständig zu machen. Das Geld, dass ich für die Ausbildung ausgeben musste, würde mir also bei der Betriebsgründung nicht mehr zur Verfügung stehen. Es war eine harte Entscheidung. Zum Glück hatte meine Frau schon damals einen gut bezahlten Job und sie hat mir ein Darlehen gewährt. So konnte ich den Meisterkurs absolvieren. Ich hatte zwar einen Job, konnte aber wegen dem Kurs keine Überstunden machen, um mehr zu verdienen. Und die eintönige Arbeit bei meiner Firma bestätigte mich darin, es selbst zu versuchen und anders zu machen.

Start in die Nische

2015 – ich war da nicht ganz 30 – habe ich die Meisterprüfung absolviert. Ich bin sofort zur Wirtschaftskammer marschiert und habe gesagt: Ich möchte mein eigenes Unternehmen gründen! Schon seit meiner Zeit bei Cyclerep wusste ich: Ich will Umbauten machen und mit Motorrädern handeln. Ein reiner Reparaturbetrieb kam für mich nicht in Frage, denn die Fehlersuche dauert bei den alten Motorrädern, die mich interessieren, viel zu lange – der Zeitaufwand steht bei einem Ein-Mann-Unternehmen in keinem Verhältnis zum möglichen Umsatz.

Trend genutzt

Mein Herz schlägt für Chopper: Die müssen laut sein und auffällig, sie dürfen scheppern und wackeln, aber sie sollen natürlich trotzdem technisch perfekt sein. Der Trend zu Custom-Bikes kam mir also sehr gelegen: Da werden gebrauchte, möglichst klassische Motorräder technisch und optisch verfeinert. Persönlich hält sich mein Interesse an Oldtimern eher in Grenzen. Nach meiner Vergangenheit auf der Rennstrecke erwarte ich mir, dass ein Bike ordentlich fährt. Abgesehen von den Probefahrten sieht man mich also nur selten auf älteren Motorrädern. Mein hoher technischer Anspruch hat aber durchaus Vorteile für meine Kunden. In Sachen Fahrwerk oder Leistung toleriere ich keine Kompromisse. Außer bei meinen Choppern – da geht Lifestyle vor Kurvengeschwindigkeit!

In den Markt gewachsen

Anfangs habe ich also Fahrzeuge gekauft und aufbereitet, keine aufwendigen Sachen. Aber mit meinen kleinen Umbauten habe ich offenbar den Kundengeschmack getroffen und die Bikes schnell an den Mann bringen können. Es hat sich rasch herumgesprochen, dass ich schöne Umbauten mache und ich habe fast vom Start weg genug zu tun gehabt. Mittlerweile kann ich gar nicht mehr jeden Auftrag annehmen. Ich habe momentan zwei Aufträge für Umbauten fix, eine weiterer wird wohl demnächst endgültig erteilt, damit bin ich wieder bis August ausgelastet.

Knappe Budgets

Allerdings haben meine Kunden oft völlig unrealistische Vorstellungen, was mit dem von ihnen geplanten Budget überhaupt möglich ist. Die kommen manchmal mit einem Foto aus einer Zeitschrift und sagen: „Das will ich auch!“ und sind ganz erstaunt, wenn ich ihnen den Aufwand und die damit verbundene Arbeitszeit vorrechne. Früher habe ich dann versucht, irgendwie hinzukommen, aber auf so etwas lasse ich mich nicht mehr ein, denn zufriedenstellend in Stand setzen kann man die Basisfahrzeuge so nicht. Das war keine befriedigende Situation. Für einen seriösen Umbau sollte man auf keinen Fall unter tausend Euro rechnen, für ein brauchbares Basisfahrzeug deutlich mehr.

Kompromisslos zum Erfolg

Bei meiner eigenen Maschine bin ich natürlich keine Kompromisse eingegangen, die habe ich genau so umgebaut, wie es sein muss. Ich habe sie im Sommer 2017 auf Österreichs erster Custom-Bike-Messe, dem Moto Circus Festival, präsentiert. Sie ist sehr gut angekommen, wurde viel fotografiert und in den einschlägigen Foren und den sozialen Netzen geteilt. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen meine Arbeit gesehen haben und ich eine ganze Reihe von Kaufangeboten bekommen habe. Schließlich habe ich mich von meinem Erstlingswerk getrennt, zu einem guten Preis, demnächst wird sie nach Hongkong verschifft! Nicht schlecht, nach nicht einmal drei Jahren im Geschäft, finde ich.

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